London - Jannik Sinner hat seinen Wimbledon-Titel verteidigt. Nach 3:46 Stunden gewann der Weltranglistenerste am Sonntagnachmittag auf dem Centre Court gegen Alexander Zverev 6:7 (7:9), 7:6 (7:2), 6:3, 6:4. Für den Italiener ist es der fünfte Grand-Slam-Titel und der zweite Wimbledon-Sieg in Serie. Wie die ATP mitteilte, wurde Sinner damit zum zehnten Spieler seit Beginn der Open Era, der den Titel im All England Club erfolgreich verteidigt. Für Zverev bleibt es das vierte verlorene Grand-Slam-Endspiel.
Der Hamburger hatte den Auftaktsatz in einem hochklassigen Tiebreak mit 9:7 gewonnen und damit die Serie von neun verlorenen Duellen ohne Satzgewinn gegen Sinner unterbrochen. Doch im zweiten Durchgang holte der Titelverteidiger das Tiebreak mit 7:2 und drehte die Partie. Erst zu diesem Zeitpunkt gelang das erste Break der Begegnung nicht - beim Stand von 4:3 im dritten Satz musste Zverev sein Aufschlagspiel abgeben. Ein weiteres Break beim Stand von 5:3 im vierten Satz entschied das Match. Zwischenzeitlich rutschte der Deutsche weg und überstreckte sein Knie, wie t-online berichtete, konnte aber weiterspielen.
Statistisch war es eine Partie auf sehr hohem Niveau: Zverev brachte laut Sportschau 81 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld, leistete sich aber 38 unerzwungene Fehler gegenüber 24 auf Sinners Seite. Boris Becker hatte das Endspiel im Vorfeld als „die Chance seines Lebens“ für Zverev bezeichnet, wie ZDFheute dokumentierte. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz saß am Sonntag auf den Rängen.
Ihr seid inzwischen die Nummer eins, aber ihr habt außerhalb der Top-Ten begonnen und euch euren Weg bis nach oben erarbeitet. Das ist definitiv eine Teamleistung.
Zverevs Rede rührt Sinners Trainer zu Tränen
Bei der Siegerehrung sorgte Zverev für den emotionalsten Moment des Tages. „Jannik, ich mag dich nicht mehr“, begann der 29-Jährige seine Rede und erntete Lacher im Publikum. Dann würdigte er den Sieger: Sinner habe „einmal mehr gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist“. Als sich Zverev direkt an Sinners Trainer Darren Cahill und Simone Vagnozzi wandte, hatten beide laut t-online Tränen in den Augen. Sinner wiederum bedankte sich in seiner Ansprache bei seiner Familie und Betreuerteam und lobte die Qualität des Endspiels: „Es war noch einmal ein großartiges Finale, und dazu braucht es immer zwei Spieler. Sascha und ich haben alles gegeben“, zitierte ihn die ATP.
3,6 Millionen Pfund und Rückkehr auf Rang zwei
Sinner kassiert für den Titel 3,6 Millionen Pfund - umgerechnet rund 4,17 Millionen Euro. Wimbledon schüttete in diesem Jahr laut Sky Sport ein Rekordpreisgeld von 74,3 Millionen Euro aus, gut 20 Prozent mehr als 2025. Zverev bekommt als Finalist rund 2,08 Millionen Euro und kehrt trotz der Niederlage auf Rang zwei der Weltrangliste zurück, nachdem er den verletzten Carlos Alcaraz überholt hat. Die letzte deutsche Herren-Trophäe an der Church Road bleibt der Titelgewinn von Michael Stich 1991.