Im Düsseldorfer Maxhaus hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Montagabend 25 Menschen mit der Rettungsmedaille des Landes ausgezeichnet, sechs davon aus Solingen. Sie hatten am 23. August 2024 auf dem Fronhof geholfen, als ein Attentäter beim Stadtfest „Festival der Vielfalt“ drei Menschen tötete und acht weitere verletzte. Weitere sechs Personen erhielten die öffentliche Belobigung des Landes.
„Das beherzte Handeln Einzelner kann Leben retten. Genau das haben die mit der Rettungsmedaille ausgezeichneten Menschen eindrucksvoll bewiesen“, sagte Wüst laut Landesregierung bei der Feierstunde. Sie hätten „Mitbürgerinnen und Mitbürger aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet“ und in einem entscheidenden Moment „Mut bewiesen“.
Unter den Geehrten waren die Notärztinnen Nathalie Rehse aus Solingen und Lena-Marie Balitzki aus Münster sowie die Rettungskräfte Robert Klohs, Andreas Leyer, Damian Piechaczek, Kai Wentzeck und Maik Wentzeck. Sie hatten in den ersten Minuten nach dem Angriff Verletzten mit Stichwunden am Hals Erste Hilfe geleistet und Menschen reanimiert.
„Eigentlich rennen wir nie“
Rehse traf nach eigenen Angaben wenige Minuten nach dem Angriff am Fronhof ein. „Eigentlich rennen wir nie“, sagte sie im Rückblick gegenüber dem ZDF und beschrieb, wie Rettungskräfte über das Festgelände liefen. Über Funk sei die Meldung gekommen, drei oder vier Menschen müssten reanimiert werden - dafür sei zu Beginn schlicht zu wenig Personal vor Ort gewesen.
Der Attentäter, ein damals 26 Jahre alter syrischer Asylbewerber, hatte am Abend des Stadtfests wahllos auf Besucherinnen und Besucher eingestochen. Die Terrororganisation Islamischer Staat reklamierte die Tat später für sich. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt seither gegen den mutmaßlichen Täter; die Ermittlungen führt die Bundesanwaltschaft.
Das beherzte Handeln Einzelner kann Leben retten. Ihr Engagement zeigt, was unsere Gesellschaft zusammenhält.
Nicht nur Solingen
Neben den Solinger Ersthelfern ehrte Wüst weitere Retterinnen und Retter, die in anderen Notlagen eingegriffen hatten. Ausgezeichnet wurden unter anderem Arbrescha Lepaja, Albulenë Lepaja und Bleona Pllana, die am 30. August 2024 in einem Bus zwischen Neunkirchen und Siegen einen bewaffneten Angreifer überwältigt hatten. Auch Ewald Martinschledde und Markus Nowara erhielten die Medaille - sie hatten im Juni 2023 eine gehörlose Frau aus einem brennenden Haus gerettet.
Die Rettungsmedaille wird in Nordrhein-Westfalen an Personen verliehen, die unter Einsatz ihres Lebens andere aus Gefahren gerettet haben. Ministerpräsident Wüst überreichte die Auszeichnungen persönlich; anwesend waren Angehörige, Kolleginnen und Kollegen der Geehrten. Für die Retter vom Fronhof steht die Ehrung fast zwei Jahre nach der Tat - der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter ist noch nicht abgeschlossen.