Vierundzwanzig Stunden vor der ersten totalen Sonnenfinsternis über dem europäischen Festland seit 1999 zieht Spanien die Verkehrsschrauben an. Auf Mallorca schließen die Behörden am Mittwoch ab 15 Uhr rund 20 Straßen, darunter mehrere Ausfahrten der Autobahn Ma-19 Richtung Llucmajor und den kompletten Bellver-Wald. Die Sperrungen gelten bis 21 Uhr - genau über das Zeitfenster, in dem sich der Mondschatten zwischen 20.30 und 20.34 Uhr über die Balearen schiebt. In Santa Ponça begannen die Zufahrtsbeschränkungen bereits am Dienstag; die Aussichtspunkte El Toro und Malgrats-Inseln sind vorsorglich abgeriegelt.
Das Auswärtige Amt rät deutschen Urlaubern, sich vor der Anreise über die konkreten Einschränkungen zu informieren, und verweist besonders auf die Tramuntana im Nordwesten sowie die Playa de Palma. Die spanische Regierung erwartet in der Finsternis-Woche über 445.000 zusätzliche Besucher, wie unter anderem die Hersfelder Zeitung berichtet. Der Zutritt zu vielen gesperrten Zonen ist am Mittwoch nur noch Anwohnern, Hotelgästen mit Parkbestätigung und akkreditierten Kräften erlaubt. Die balearische Regionalregierung empfiehlt allen anderen, die Finsternis vom eigenen Balkon oder aus 26 offiziellen Beobachtungszonen zu verfolgen.
Unbedingt müssen sich Finsternisreisende rechtzeitig um einen freien Blick Richtung West/Nordwest bemühen.
In Deutschland bleibt es bei einer partiellen Verfinsterung, doch das Wetter spricht am Dienstagabend erst einmal für die Beobachter: Ein Hochdruckgebiet stabilisiert die Lage, im Süden und Südwesten liegen die Chancen auf freie Sicht laut Weather.com am besten. Der Nordwesten muss mit Wolkenfeldern rechnen. Weil die Sonne am Abend bereits tief über dem westlichen Horizont steht, wirken sich, so die Meteorologen, selbst dünne Schleierwolken oder dunstige Luft stärker aus als bei einer Beobachtung zur Mittagszeit. Wer die Verfinsterung sehen will, sollte einen erhöhten Standort mit freier Sicht Richtung Westen suchen.
Uhrzeiten und Bedeckung: was in deutschen Städten sichtbar wird
Nach den von ZDFheute zusammengetragenen Daten beginnt die Finsternis im Nordosten - in Greifswald ab 19.12 Uhr - und läuft westwärts. In München setzt der erste Kontakt um 19.23 Uhr ein, das Maximum in Deutschland liegt gegen 20.05 bis 20.18 Uhr. Die stärkste Verdunklung erreicht Freiburg mit rund 90 Prozent; nach Osten und Norden nimmt der bedeckte Anteil deutlich ab. Als Bonus steht dieselbe Nacht der Höhepunkt der Perseiden an: Bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sind laut ZDFheute zwischen 23 und 4 Uhr zu erwarten.
Warnung des Bundesamts für Strahlenschutz
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat vor dem ungeschützten Blick in die Sonne gewarnt. „Vermeiden Sie unbedingt den direkten Blick in die Sonne mit ungeschützten Augen“, heißt es in der behördlichen Empfehlung. Zulässig sind ausschließlich Sonnenfinsternisbrillen nach DIN EN ISO 12312-2:2015 mit CE-Kennzeichen; die Folie muss frei von Kratzern, Löchern oder Rissen sein. Sonnenbrillen, geschwärzte Gläser, Filmstreifen oder CDs bieten laut BfS keinen Schutz. Auch die Beobachtung durch Feldstecher, Teleskope oder Kameras ohne spezielle Sonnenfilter kann die Netzhaut in Sekunden dauerhaft schädigen. Hans Hoerauf, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen, empfiehlt, jede Brille vor Gebrauch auf Unversehrtheit zu prüfen.
Für Zuschauer in Deutschland überträgt Terra X im ZDF die Totalität ab 20.15 Uhr live aus Palma, wie wir bereits am Sonntag berichteten. Harald Lesch und Jasmina Neudecker begleiten die zwei Minuten Kernschatten von den Balearen aus. Der nächste Termin für eine totale Sonnenfinsternis, die von Deutschland aus zumindest teilweise verfolgt werden kann, folgt am 2. August 2027 über Nordafrika.