Um 20:27:41 Uhr Ortszeit verschwand die Sonne über A Coruña für eine Minute und 18 Sekunden vollständig hinter dem Mond. Es war die erste totale Sonnenfinsternis über dem spanischen Festland seit 1905. Der Kernschatten zog anschließend diagonal über Kastilien und León, Aragón, Valencia und die Balearen, ehe er im Mittelmeer verglühte. In der rund 300 Kilometer breiten Totalitätszone dauerte die Verdunkelung je nach Standort zwischen 30 Sekunden und knapp zwei Minuten.

Für die Menschen entlang der Zone war es der Höhepunkt eines lange geplanten Abends. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa reisten Hunderttausende ins Land, Hotels waren seit Monaten ausgebucht, Balkone mit freier Sicht auf den Westhorizont wurden für mehrere Hundert Euro vermietet. Das Beratungshaus AFI bezifferte den wirtschaftlichen Effekt der Finsternis auf rund 421 Millionen Euro; etwa 327.000 Menschen seien eigens für das Naturschauspiel in die Totalitätszone gereist, 80 Prozent davon aus dem Ausland.

Die spanische Astronautin Sara García beobachtete die Finsternis für den öffentlich-rechtlichen Sender RTVE. „Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde“, sagte García im Live-Programm. Am katalanischen Ebro-Observatorium in Roquetes fasste eine Beobachterin den Moment gegenüber der Nachrichtenagentur AFP so zusammen: „Sehr kurz, aber unbeschreiblich schön.“ Auf Mallorca füllten sich Parkplätze schon Stunden vor Beginn, einzelne Zufahrten in der Serra de Tramuntana blieben wie angekündigt gesperrt. Größere Zwischenfälle meldeten die spanischen Behörden zunächst nicht, obwohl bis zu 1,5 Millionen zusätzliche Fahrten und rund 33.000 eingesetzte Polizei- und Guardia-Civil-Kräfte erwartet worden waren.

Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde.
- Sara García, Astronautin, gegenüber RTVE

Deutschland sieht die Sichel bei klarem Himmel

In Deutschland blieb es bei einer partiellen Finsternis mit einer Bedeckung von 85 bis 90 Prozent, je nach Standort. Der Deutsche Wetterdienst hatte im Vorfeld weite Teile des Landes als nahezu wolkenlos gemeldet, und die Prognose hielt. Am Berliner Planetarium in Prenzlauer Berg zählte die Polizei laut Mindener Tageblatt rund 3000 Menschen, es kam zu Verkehrsbehinderungen. Der Münchner Olympiapark, der Feldberg im Taunus und mehrere Sternwarten meldeten ebenfalls großen Andrang. Über Dresden stiegen sechs Heißluftballons auf, um die Sichel mit Sonnenuntergang zu fotografieren.

Vor der Finsternis hatte das Bundesamt für Strahlenschutz eindringlich vor ungeschütztem Blick gewarnt. „Die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung sind keine Gründe, die Augen weniger gut zu schützen“, zitierte das Mindener Tageblatt die BfS-Expertin Daniela Weiskopf. Die spanischen Behörden hatten zwei Millionen zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen kostenlos verteilt.

Nach dem Ende der Finsternis blieb der Himmel über weiten Teilen Europas Bühne: Zeitgleich erreichte der Meteorstrom der Perseiden sein Maximum, Astronomen rechneten mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde. Wer die Totalität verpasst hat, muss lange warten. Über Spanien folgen noch eine ringförmige Finsternis im Februar 2027 und eine totale im August 2027; über Mitteleuropa ist die nächste sichtbare Totalität erst 2081 zu erwarten.