Wenn am kommenden Mittwoch, dem 12. August, um 20:31 Uhr über Palma de Mallorca der Mond die untergehende Sonne vollständig verdeckt, schaltet das ZDF live zu. Ab 20:00 Uhr überträgt der Sender das Naturschauspiel im Streamingportal und auf dem YouTube-Kanal „Terra X Lesch & Co“, ab 20:15 Uhr in 3sat, ab etwa 20:25 Uhr - Witterung vorausgesetzt - auch im ZDF-Hauptprogramm. Vor Ort moderieren der Astrophysiker Harald Lesch und Jasmina Neudecker, Gäste sind die Astronomin Lisa Kaltenegger und der Astronaut Alexander Gerst.
Für die deutsche Fernsehredaktion ist die Insel der einzige einigermaßen zugängliche Ort auf europäischem Festland, an dem die Totalität überhaupt zu sehen ist. Der Kernschatten des Mondes zieht laut Berechnungen von Grönland über Island bis zum westlichen Mittelmeer und trifft zwischen 20:30 und 20:34 Uhr auf die Balearen. Es ist die erste totale Sonnenfinsternis auf spanischem Boden seit 1912. In Deutschland bleibt es bei einer partiellen Verdunklung, deren Bedeckungsgrad laut ZDFheute zwischen 85 Prozent in Berlin und 90 Prozent in Freiburg liegt.
Unser gesamtes Gottvertrauen geht zurück auf die Tatsache, dass die Dinge sich am Himmel wiederholen. Eine Sonnenfinsternis durchbricht diese Erfahrung.
Neben den beiden Studiomoderatoren berichten der Meeresbiologe Uli Kunz als Außenreporter von einem Boot vor der Küste und der ZDF-Moderator Eric Mayer von den Stränden der Insel. Angekündigt sind mehrere parallele Livekanäle sowie 360-Grad-Aufnahmen.
Balearen im Ausnahmezustand
Auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera bereitet die Regionalregierung seit Monaten weitreichende Beschränkungen vor. Wie t-online unter Berufung auf die balearische Regierung berichtet, gelten am 12. August zwischen 15 und 21 Uhr großflächige Zufahrtsverbote; an der Platja de Palma werden bereits ab acht Uhr morgens fünf Autobahnausfahrten gesperrt, ab Mittag ist der Bereich für Nicht-Anwohner tabu. In Santa Ponça beginnen die Kontrollen schon am 11. August, auf Menorca sind vier ausgewiesene Beobachtungszonen ab 17 Uhr autofrei.
Zugang bleibt Anwohnerinnen, Hotelgästen mit Buchungsbestätigung, akkreditierten Beschäftigten, Restaurantgästen mit Reservierung und gesichertem Parkplatz sowie Taxis und Rettungsdiensten vorbehalten. Der Hotelverband arbeite seit April daran, Urlauber zu bewegen, das Ereignis von ihrer Unterkunft aus zu verfolgen, heißt es in dem Bericht. Hintergrund ist die Waldbrandgefahr in der Hochsaison: Die Behörden warnen vor offenem Feuer, Müll und dem Betreten privater Grundstücke.
Warnung vor ungeschütztem Blick
Für den Blick in die Sonne verweist das Bundesamt für Strahlenschutz auf geprüfte Sonnenfinsternisbrillen mit CE-Kennzeichnung nach DIN EN ISO 12312-2:2015. Sonnenbrillen, Gletscherbrillen, geschwärzte Filmstreifen oder mit Kerzenruß präparierte Gläser seien kein Schutz, sondern gefährlich. Hans Hoerauf, Direktor der Universitätsaugenklinik Göttingen, wird von ZDFheute mit dem Hinweis zitiert, gebündelte Sonnenstrahlen könnten die Netzhaut in Sekunden schädigen. Weil die Finsternis in Deutschland mit dem Sonnenuntergang zusammenfällt, empfehlen Sternwarten einen erhöhten Beobachtungsort mit freier Sicht nach Nordwesten.
Wer die kommende Nacht wach bleibt, bekommt einen zweiten Himmelskörper geboten: Ab 23 Uhr erreicht der Perseiden-Meteorstrom sein Maximum mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde. Eine vergleichbar tiefe partielle Finsternis über Deutschland gibt es laut ZDFheute erst wieder 2081.