Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX hat am Freitag den größten Börsengang der Geschichte vollzogen. Um 15:30 Uhr deutscher Zeit ertönte an der Nasdaq die Eröffnungsglocke, das Kürzel SPCX startete mit 150 Dollar in den Handel - elf Prozent über dem am Vorabend fixierten Ausgabepreis von 135 Dollar. In den ersten Stunden kletterte der Kurs bis auf 168,75 Dollar, ein Plus von 25 Prozent. SpaceX nahm bei der Erstplatzierung von 555,6 Millionen Aktien rund 75 Milliarden Dollar ein und übertraf damit den bisherigen Rekord des saudischen Ölkonzerns Aramco aus dem Jahr 2019 um mehr als das Dreifache.
Die Bewertung des Unternehmens lag zum Ausgabepreis bei 1,77 Billionen Dollar, in der Spitze des ersten Handelstags bei rund 2,21 Billionen Dollar. Damit ist SpaceX nach Marktkapitalisierung das siebtgrößte börsennotierte Unternehmen der USA und liegt vor Musks zweitem Konzern Tesla, der zuletzt mit etwa 1,6 Billionen Dollar bewertet wurde. Musks Anteile an SpaceX und Tesla zusammengenommen heben sein Papiervermögen erstmals über die Schwelle von einer Billion Dollar, wie der Tagesspiegel berichtet. Der Tech-Unternehmer ist damit der erste Billionär der Geschichte.
Mit einer Sondergattung an Stimmrechtsaktien sichert sich Musk auch nach dem Börsengang über 82 Prozent der Stimmrechte. Anleger kaufen mithin Anteile an einem Konzern, der formal in fremder Hand ist - eine Konstruktion, die SpaceX in seinen SEC-Unterlagen als Risikofaktor ausweist.
Anleger zahlen für die Hoffnung auf künftige Erfolge, nicht für das, was heute auf den Büchern steht.
Die operativen Zahlen begründen die Bewertung nicht. SpaceX wies im vergangenen Geschäftsjahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar aus, dazu einen Verlust von rund 4,94 Milliarden Dollar. Wachstumstreiber ist der Satellitendienst Starlink, der allein im ersten Quartal 3,26 Milliarden Dollar Umsatz brachte und nach Angaben des Unternehmens rund 10,3 Millionen Kunden in 164 Ländern zählt. Für das Starship, mit dem SpaceX künftig Menschen zum Mars bringen will, sind nach ZDFheute-Angaben in diesem Jahr Investitionen von mehr als 15 Milliarden Dollar eingeplant.
Direkt an der Frankfurter Börse handelbar
Anleger in Deutschland können die SPCX-Aktie laut Deutscher Börse vom ersten Tag an auf Xetra und im Frankfurter Parketthandel kaufen und verkaufen. Voraussetzung ist die für den Eröffnungstag avisierte taggleiche Notierung; in der Vergangenheit hatte die Aufnahme bei großen US-Börsengängen wie Alibaba oder Snap an deutschen Handelsplätzen bis zu mehrere Stunden auf sich warten lassen. Über die ISIN US84615Q1031 ist das Papier bei den gängigen deutschen Online-Brokern verfügbar.
Politisch ist der Börsengang für die Bundesrepublik nicht ohne Brisanz. SpaceX dominiert mit Starlink den Markt für satellitengestütztes Internet, von dem auch Behörden und Bundeswehr in steigendem Maße abhängig sind. Der politisch eng mit der Trump-Regierung verflochtene Musk bekommt durch die frischen 75 Milliarden Dollar zusätzlich Spielraum, sein Imperium aus Raumfahrt, Satellitenkommunikation und der jüngst zugekauften KI-Sparte xAI auszubauen. In Berlin hatte Bundeskanzler Friedrich Merz erst am Mittwoch auf der ILA für eine größere europäische Souveränität bei Raumfahrt und Drohnen geworben.