Spanien steht zum ersten Mal seit 2010 wieder in einem WM-Halbfinale. Im SoFi Stadium in Inglewood setzte sich die Elf von Luis de la Fuente am Freitagabend mit 2:1 gegen Belgien durch. Fabián Ruiz brachte Spanien in der 30. Minute in Führung, Charles De Ketelaere glich in der 41. per Kopf aus, den entscheidenden Treffer erzielte Mikel Merino in der 88. Minute - nach einem folgenschweren Patzer des belgischen Ersatzkeepers Senne Lammens. Am Dienstag trifft Spanien im Halbfinale in Boston auf Frankreich.

Der erste spanische Treffer entstand aus einer klassischen Rechtsangriff-Kombination. Lamine Yamal bediente Pedro Porro auf der Außenbahn, dessen Flanke wehrte Thibaut Courtois nur unzureichend ab. Fabián Ruiz stand goldrichtig und drückte den Ball aus kurzer Distanz zur Führung über die Linie. Belgien antwortete kurz vor der Pause: Timothy Castagne flankte präzise, De Ketelaere köpfte ins lange Eck. Es war das erste Gegentor, das Torhüter Unai Simón in diesem Turnier hinnehmen musste - nach 618 Minuten ohne Gegentreffer und einer Serie, die den italienischen Turnier-Rekord von Walter Zenga aus 1990 bereits überboten hatte.

Wir haben ein besseres Spiel als in der Runde davor gezeigt, aber dieses Turnier ist eine Lektion in Geduld. Am Ende hat der Kader entschieden.
- Luis de la Fuente, spanischer Nationaltrainer, gegenüber ESPN

Die zweite Halbzeit verlief lange ausgeglichen, ehe Belgien in der 71. Minute den ersten schweren Rückschlag verkraften musste. Thibaut Courtois griff sich beim Abstoß an den Oberschenkel, ging zu Boden und verließ den Rasen unter Tränen. Ersatzkeeper Senne Lammens kam in eine Partie, in der er 17 Minuten lang wenig zu tun hatte. In der 88. Minute zog Pau Cubarsí aus rund 30 Metern ab, Lammens ließ den Ball vor die Füße von Merino klatschen, der aus fünf Metern zum 2:1 einschob. Für den Arsenal-Profi war es der zweite späte Siegtreffer in Serie: Bereits im Achtelfinale in Miami hatte er in der 91. Minute das 1:0 gegen Portugal erzielt.

Belgiens Generation verabschiedet sich

Für die Roten Teufel um Kevin De Bruyne, Courtois und Romelu Lukaku endet das Turnier in einem der bittersten Momente ihrer gemeinsamen Zeit. Cheftrainer Rudi Garcia musste vor Anpfiff bereits auf Youri Tielemans verzichten, der sich beim Aufwärmen verletzt hatte. Amadou Onana fiel nach seinem Kreuzbandriss aus dem Achtelfinale ohnehin aus. „Wir haben alles gegeben, was noch da war, aber der Fußball hat uns heute nicht belohnt“, sagte Garcia nach dem Abpfiff der belgischen Zeitung Het Laatste Nieuws. De Bruyne, der 71 Minuten auf dem Platz stand und die belgischen Angriffsversuche organisierte, wird nach dem Turnier nach übereinstimmenden Berichten seine Nationalmannschaftskarriere beenden.

Auf spanischer Seite wiederholte sich ein Muster, das die WM-Kampagne von de la Fuentes Team prägt: kontrollierte Ballbesitzphasen, wenige klare Chancen, dann ein spätes Tor durch einen Einwechselspieler oder einen Ersatzstürmer. Yamal blieb erneut ohne Torbeteiligung, war aber am ersten Treffer entscheidend beteiligt. Merino ist mit drei Turniertoren nun Spaniens erfolgreichster Schütze im K.-o.-Bereich. Im Halbfinale wartet am Dienstag in Boston die Elf von Didier Deschamps, die am Donnerstag Marokko mit 2:0 aus dem Turnier warf und mit Kylian Mbappé die stärkste Offensive des Turniers stellt. Anpfiff ist um 21 Uhr MESZ, das ZDF überträgt live.