Zwei Millionen Menschen haben Spanien am Montagabend im Zentrum von Madrid als Fußball-Weltmeister empfangen. Nach dem 1:0 nach Verlängerung im Finale gegen Argentinien im MetLife Stadium landete die Auswahl von Trainer Luis de la Fuente am Nachmittag mit rund 90 Minuten Verspätung auf dem Flughafen Madrid-Barajas, wo Kapitän Rodri den WM-Pokal aus der Gangway hob. Später am Abend verwandelte sich die Plaza de Cibeles bei knapp 35 Grad in ein rotes Meer, wie unter anderem Al Jazeera und die spanische Nachrichtenagentur EFE berichteten.
Erste Station nach der Ankunft war die Zarzuela: Im königlichen Palast empfing Felipe VI. die Mannschaft und beschrieb ihre Reise durch das Turnier als „epische Odyssee“. Der Monarch erinnerte daran, dass Spanien mit dem zweiten Männer-Titel und dem Frauen-WM-Sieg 2023 in Sydney nun als einzige Nation gleichzeitig die Weltmeisterschaften beider Wettbewerbe hält.
Ihr seid müde - aber was für eine wunderbare Müdigkeit.
Danach ging es zum Regierungssitz Moncloa, wo Ministerpräsident Pedro Sánchez die Weltmeister empfing. „Danke an Trainer und Spieler für den Spielstil, den Einsatz und den Sieg. Wir haben euch wirklich mit Freude zugesehen“, sagte Sánchez laut Al Jazeera. Für die abendliche Parade durch das Zentrum mobilisierten die Behörden 2.050 Polizisten und 400 Beamte der Guardia Civil, wie Francisco Martín, Regierungsbeauftragter für Madrid, im Vorfeld gegenüber spanischen Medien angekündigt hatte.
120.000 an der Cibeles
Von der Moncloa rollte am frühen Abend ein offener Doppeldecker mit der Aufschrift „Somos Campeones“ durch das Stadtzentrum in Richtung Cibeles-Brunnen, dem traditionellen Feierort der spanischen Nationalmannschaft und von Real Madrid. Rund 120.000 Fans in roten Trikots warteten am Zielpunkt, wo die Sängerinnen Aitana, Ana Mena und Lola Índigo das Bühnenprogramm bestritten. Alle 26 Spieler standen mit De la Fuente auf der Bühne, tanzten, hoben den Pokal und wandten sich ans Publikum. „Danke, Spanien, dass ihr uns unterstützt und heute hier seid. Wir haben das Glück, 26 großartige Menschen zu haben, die zugleich großartige Fußballer sind, die besten der Welt“, sagte De la Fuente laut Al Jazeera.
Rodris Moment
Für Kapitän Rodri, der beim Turnier zum Spieler des Wettbewerbs gewählt wurde, war es der emotional aufgeladenste Auftritt des Abends. „Ich habe es immer gesagt: Mit dem eigenen Land zu gewinnen ist das Schönste überhaupt, vor allem eine Weltmeisterschaft“, sagte der Mittelfeldspieler von Manchester City auf der Bühne, wie Reuters zitierte. „Diese Generation ist damit aufgewachsen, dass Casillas und Iniesta den Pokal hoben. Dass wir das heute selbst tun können, ist das Größte, was man im Fußball erreichen kann.“ Ferran Torres, dessen Treffer in der 108. Minute das Finale entschieden hatte, sagte laut web.de vor Parade-Beginn nur: „Ich schwebe buchstäblich auf Wolke sieben.“
Der Titel ist Spaniens zweiter nach dem Triumph 2010 in Südafrika - und der erste seit 16 Jahren. Kombiniert mit dem WM-Sieg der Frauen 2023 in Sydney und dem EM-Titel 2024 komplettiert die spanische Auswahl damit ein historisches Set, das keine andere Nation in der Geschichte des Fußballs vorzuweisen hat. In den Straßen rund um die Cibeles blieb es bis tief in die Nacht voll; wie Sport1 unter Berufung auf die Stadtverwaltung meldete, hatten die Feiern in den drei offiziellen Fanzonen der Stadt bereits am Sonntagabend nach dem Abpfiff in New Jersey begonnen.