Die spanische Regierung hat am Freitag erstmals in ihrer Geschichte wegen Waldbränden den „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska rief die höchste Stufe der Katastrophenschutzstufe für die Hauptstadtregion Madrid und die westlich davon gelegene Provinz Ávila aus. Nach Angaben des Nachrichtenportals Euronews sind bis Samstagabend mehr als 63.000 Menschen evakuiert worden, in Valencia kam bei einem separaten Brand in Manises ein Mensch ums Leben. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach am Samstag von einer „dramatischen“ Lage; oberste Priorität sei jetzt, „Leben zu retten und die Gesundheit zu schützen“.

Am Samstagmorgen vereinigten sich nach Angaben des Portals Costa Nachrichten drei Feuerfronten im Westen Madrids zu einer einzigen Front. Die Feuer westlich der Hauptstadt haben nach Regionalangaben rund 35.000 Hektar zerstört und liegen damit an der Schwelle zum zweitgrößten Waldbrand Spaniens seit Beginn der zentralen Erfassung 1968. In Ávila brannten allein 9.000 Hektar, der Burgohondo-Navaluenga-Brand breitete sich zeitweise drei Kilometer in 40 Minuten aus. Acht Gemeinden in Madrid wurden vollständig geräumt, darunter Robledo de Chavela und Fresnedillas de la Oliva. Rund 5.000 Camper mussten kurz vor Mitternacht den Campingplatz von El Escorial verlassen.

Wir können jetzt nicht optimistisch sein, wir müssen realistisch bleiben.
- Fernando Grande-Marlaska, spanischer Innenminister

Die zentrale Sorge der Einsatzleitung gilt dem Weltkulturerbe El Escorial: Der 1584 unter Philipp II. vollendete Renaissance-Klosterpalast mit der königlichen Krypta liegt keine 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt und damit direkt in der Ausbreitungsrichtung der vereinten Feuerfront. Die militärische Notfalleinheit UME zog nach Angaben des Portals Costa Nachrichten seit Samstagmorgen defensive Linien um El Escorial und San Lorenzo de El Escorial. Die EU aktivierte ihr Katastrophenschutzverfahren; Griechenland und Italien schickten je zwei Canadair-Löschflugzeuge, die am Samstag eintreffen sollten, zusätzlich rückten Verstärkungen aus sechs autonomen Regionen an.

Festnahme in Ávila, politischer Streit in Madrid

Die Guardia Civil nahm nach eigenen Angaben eine Person fest und identifizierte eine zweite als Tatverdächtigen für den Brand in Ávila. Beide sollen in einem Gebiet gearbeitet haben, in dem der Einsatz schwerer Maschinen verboten war; die Funken ihrer Geräte hätten das Feuer entzündet. Ihnen wird Brandstiftung mit erschwerenden Umständen vorgeworfen, weil das Feuer nahe bewohnten Gebieten ausbrach. Auch der zweitgrößte Brand des Landes in der Provinz Guadalajara, der rund 32.000 Hektar zerstört hat, geht laut Behördenangaben mutmaßlich auf landwirtschaftliche Arbeiten zurück.

Bei einem Besuch im Brandgebiet forderte Sánchez einen „Staatspakt gegen den Klimanotstand“. Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso schlug einen anderen Ton an: „Wir haben Tausende evakuiert und können die Feuer nicht löschen.“ Carlos Novillo, Chef des Katastrophenschutzes der Region Madrid, sagte gegenüber SRF, die Brände seien „auf ihrem Höhepunkt“ und derzeit „nicht zu löschen“. Nach Angaben von ZDFheute sind seit Jahresbeginn in Spanien rund 148.000 Hektar verbrannt, mehr als die Hälfte der gesamten in der EU im selben Zeitraum abgebrannten Fläche. Das Innenministerium warnte für das Wochenende vor „besonders ungünstigen“ Wetterbedingungen: Starke Windböen könnten die Flammen weiter anfachen.