Ralf Rangnick sitzt in Los Angeles und redet vom „nächsten Endspiel“. Am Donnerstag um 21:00 Uhr MESZ trifft Österreich im SoFi Stadium in Inglewood auf Titelmitfavorit Spanien, die Sechzehntelfinal-Partie überträgt die ARD live. Für die ÖFB-Auswahl ist es die erste K.o.-Partie bei einer Weltmeisterschaft seit dem Turnier 1982, für die Roja der Auftakt in die entscheidende Turnierphase - mit einer Gruppenbilanz aus drei Spielen ohne Gegentor.

Der Weg ins Sechzehntelfinale war für die Rangnick-Elf ein Zittersieg. Nach dem 3:1 gegen Jordanien und dem 0:2 gegen Argentinien sicherte erst der Kalajdžić-Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Algerien das 3:3 - und damit Rang zwei in Gruppe J. „Ich kann immer noch nicht glauben, was in diesen 90 oder 120 Sekunden passiert ist“, sagte Rangnick nach dem dramatischen Ende, wie mehrere spanische Medien zitierten. In Los Angeles ist die Erleichterung inzwischen einem klaren Auftrag gewichen: „In dem Spiel können wir tatsächlich nur gewinnen“, betonte der Teamchef laut Tiroler Tageszeitung.

Rangnick baut seinen Matchplan seit Tagen um Lamine Yamal. Der 18-jährige Flügelstürmer des FC Barcelona ist Spaniens Referenzspieler, hatte zuletzt aber selbst eingeräumt, nicht bei 100 Prozent zu sein. Nach ORF-Informationen erwägt Rangnick, Bayern-Profi Konrad Laimer als Linksverteidiger gegen Yamal aufzubieten, um dem Youngster physisch die Räume zu nehmen. Auch Florian Grillitsch könnte statt Xaver Schlager ins zentrale Mittelfeld rücken. „Wir haben noch nicht unser Leistungsmaximum erreicht“, sagte Rangnick der oberösterreichischen Zeitung Nachrichten.at.

Wir müssen schauen, dass wir tatsächlich eine Leistung bringen, die am obersten Level sein muss, um in diesem Spiel eine Chance zu haben.
- Ralf Rangnick, ÖFB-Teamchef, Nachrichten.at

Spanien kommt ohne Gegentor - und mit Respekt

Luis de la Fuente hat sein Team durch Gruppe H manövriert, ohne den Torhüter David Raya ein einziges Mal hinter sich greifen zu lassen. Nach dem torlosen Auftakt gegen Kap Verde folgten das 4:0 gegen Saudi-Arabien, bei dem Yamal traf und auflegte, sowie das hart erarbeitete 1:0 gegen Uruguay zum Gruppensieg. Auch bei den Wettanbietern gilt die Roja als klarer Favorit. Trotzdem warnt Nationalspieler Marcos Llorente vor Übermut: „Ich konzentriere mich auf Österreich, es wäre ein Fehler, die ganze Zeit an den nächsten Gegner zu denken“, sagte er der Marca.

Ausgerechnet die Marca ist es auch, die Rangnicks Handschrift ausdrücklich fürchtet. In ihrer Vorschau bezeichnete das Sportblatt den Deutschen als „Schöpfer des modernen Gegenpressings“ und stufte das Duell als „erstes K.o.-Spiel auf Leben und Tod“ ein - deutlicher lässt sich Respekt in Madrid selten formulieren. Bereits in der Gruppenphase führte Österreich die Statistik mit den meisten Pressingaktionen im letzten Drittel an und stellte laut El Diario mit einem PPDA-Wert von 7,1 die aggressivste Restverteidigung des Turniers.

Historisches Kapitel für die ÖFB-Auswahl

Sportlich reist Österreich als klarer Außenseiter an, historisch als Team mit ungewöhnlicher Bilanz gegen Spanien: In elf Duellen stehen fünf spanischen Siegen drei österreichische Erfolge und drei Unentschieden gegenüber, den prestigeträchtigsten Sieg gab es 1978 in Argentinien mit dem 2:1 in Córdoba. Ein Erfolg am Donnerstag wäre der erste Achtelfinal-Einzug seit dem WM-Aus gegen Frankreich 1982 und würde in Wien historisches Gewicht bekommen. Rangnick will den psychologischen Vorteil nutzen: „Dieses Spiel kann uns noch einmal richtig zusätzliche Energie geben“, sagte er in Los Angeles. Anpfiff im SoFi Stadium: 21:00 Uhr MESZ, die zweite Halbzeit dürfte in Wien tief in die Nacht reichen.