Die Nationalen Spiele der Special Olympics haben am Mittwoch ihre Halbzeit erreicht. Seit Montagabend kämpfen rund 4.300 Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung im Saarland in 27 Sportarten um Medaillen und Qualifikationsplätze für die Weltspiele 2027 in Santiago de Chile. Es sind die größten inklusiven Spiele, die jemals in Deutschland ausgetragen wurden, und erstmals laufen einzelne Wettbewerbe grenzüberschreitend: Die Schwimmwettkämpfe finden im französischen Forbach statt.
Eröffnet wurden die Spiele am Montag im ausverkauften Ludwigsparkstadion in Saarbrücken. Vor rund 16.000 Zuschauern erklärte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) die Nationalen Spiele für eröffnet. Um 21:34 Uhr entzündeten die Basketballerin Hanna Hohe und ihr Unified Partner Jesse Veit die „Flamme der Hoffnung“, die Mitte Mai in Berlin entfacht und in einer saarländischen Grubenlampe ins Stadion getragen worden war. Die Delegationen aller sechzehn Bundesländer zogen ein, dazu Mannschaften aus zwölf Nationen, die als internationale Gäste teilnehmen.
Die Special Olympics zeigen uns, wie vielfältig und stark unsere Gesellschaft ist, wenn alle dazugehören können.
Reinhold Jost (SPD), saarländischer Sportminister, hatte die Spiele schon im Vorfeld als politisches Projekt gerahmt. „Mit den Spielen schreiben wir unser eigenes, saarländisches Sommermärchen“, sagte Jost laut t-online. Das kleinste Flächenland hat nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Euro in die Modernisierung von Sportstätten investiert, die nach den Spielen den Vereinen vor Ort zur Verfügung stehen sollen. Christiane Krajewski, seit 2014 Präsidentin von Special Olympics Deutschland, betonte den Kontrast zum Profisport: „Hier geht es nicht um Rekorde, sondern um Teilhabe, Begegnungen und um eine starke Gemeinschaft.“ Krajewski sprach gegenüber der Sportschau von einem „bedeutenden Meilenstein für den inklusiven Sport in Deutschland“.
Erste Medaillen in Völklingen, Premieren im Programm
Die ersten Goldmedaillen wurden am Dienstag in der Hermann-Neuberger-Halle in Völklingen vergeben, wo Rollkunstläuferinnen und Rollkunstläufer um die nationalen Titel fuhren. Über 100 Meter setzte sich Alexandra Smailovic vor Leon Sangermann und Yonathan Berhe durch. Im 500-Meter-Finale entschied Niklas Bergrath ein Rennen für sich, das laut Bericht von Special Olympics Deutschland bis kurz vor der Ziellinie offen war. Im Programm finden sich in diesem Jahr erstmals 3x3-Basketball, Kunstturnen, Hockey, Rudern und Segeln - Sportarten, die das nationale Angebot für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung verbreitern sollen.
Wettkampfstätten verteilen sich auf zehn Standorte über alle saarländischen Landkreise, mit dem Schwerpunkt in Saarbrücken. Bis zum Abschluss am Samstag erwartet der Ausrichter rund 100.000 Besucherinnen und Besucher, getragen von etwa 2.500 freiwilligen Helferinnen und Helfern. ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1, Sky, DAZN, Bild und die Deutsche Telekom übertragen die Wettbewerbe begleitend im Fernsehen und im Stream. Die Eröffnungsfeier am Montag sendete SR live ab 20:15 Uhr im Ersten.
Vom Saarbrücker Festplatz nach Santiago de Chile
Wer in Saarbrücken seine Klasse gewinnt, hat Aussicht auf den Sprung ins Team Deutschland für die Weltspiele 2027 in Santiago de Chile. SOD-Präsidentin Krajewski formulierte den Anspruch deutlich kleiner: Ziel sei „Sport auf lokaler Ebene für alle Menschen mit Behinderung“, die Spiele seien dafür Schaufenster und Werkzeug zugleich. Bis Samstag, wenn die Abschlussfeier auf dem Tbilisser Platz beginnt, geht es im Saarland deshalb nicht nur um Edelmetall, sondern um die Frage, ob aus der staatlich finanzierten Großveranstaltung tatsächlich tragfähige Strukturen für die Zeit danach werden.