Der Waldbrand am nördlichen Stadtrand von Spokane hat sich am Sonntag zur schwersten Brandkatastrophe in der Geschichte des US-Bundesstaats Washington entwickelt. Das Old-Trails-Feuer allein zerstörte nach Angaben von Feuerwehrchef Cody Rohrbach 640 Häuser und Gewerbebauten, rund 60.000 Menschen mussten die Stadt verlassen. Zusammen mit den Bränden Fairview und Autumn Lane, die die Behörden inzwischen unter dem Namen Spokane Complex Fire zusammenfassen, brannten am Sonntagabend mehr als 2.800 Hektar, ohne dass eine Eindämmung gelungen wäre.

Wie wir am Samstag berichteten, war das Feuer am Vortag über den Spokane River gesprungen und hatte die nördlichen Stadtviertel Indian Trail und Five Mile Prairie erfasst. Einsatzleiter Tom Clemo sagte am Sonntag vor Reportern, dabei sei „vermutlich der größte und zerstörerischste Brand“ der Geschichte Washingtons entstanden. Wie viele Häuser genau vernichtet wurden, werde erst in einigen Tagen feststehen, so Clemo.

Es gibt bisher keine bestätigten Toten. Aber nach dem, was wir über Funk hören, müssen wir damit rechnen.
- Cody Rohrbach, Feuerwehrchef Spokane County Fire District 3, Spokesman-Review

Bürgermeisterin Lisa Brown sprach von der „schwersten Naturkatastrophe, die unsere Region jemals erlebt hat“, und betonte, die Stadt bewerte weiter „das Potenzial für Todesopfer“. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. Am Sonntagabend waren nach Angaben lokaler Versorger noch mehr als 10.000 Haushalte ohne Strom, am Höhepunkt hatte die Zahl bei rund 30.000 gelegen. Im Kongresszentrum von Spokane richteten die Behörden eine Notunterkunft ein, in der 409 Familien die Nacht verbrachten; eine zweite Sammelstelle entstand in Chewelah nördlich der Stadt.

Gouverneur Bob Ferguson flog am Sonntagmorgen nach Spokane, traf Einsatzkräfte und telefonierte am Nachmittag mit US-Präsident Donald Trump und dem Heimatschutzminister Markwayne Mullin. Trump habe „seine Unterstützung für das ausgedrückt, was die Menschen durchmachen“, teilte Ferguson anschließend mit. Der Gouverneur hatte am Freitag zunächst rund 100 Nationalgardisten mobilisiert und am Samstag den landesweiten Notstand ausgerufen. Zudem verhängte er ein Freiluft-Verbrennungsverbot bis zum 30. September. In ganz Washington brannten am Sonntag 15 Großfeuer, die bereits mehr als 250.000 Hektar vernichtet haben.

Benjamin Cossel vom kalifornischen Incident Management Team, das die Einsatzleitung übernommen hat, warnte, das Old-Trails-Feuer habe „das größte Potenzial, richtig auszubrechen“. Der Nationale Wetterdienst rechnete für Montag mit anhaltend trockenen Bedingungen und Windböen; der republikanische US-Abgeordnete Michael Baumgartner aus dem Wahlkreis Spokane sagte gegenüber CBS, es sehe nicht danach aus, „dass sich das Wetter in den nächsten Tagen wesentlich bessert“. Washington erlebt das vierte Dürrejahr in Folge, seit Januar registrierten die Landesbehörden mehr als 1.000 Waldbrände.