Ein von starken Winden getriebener Waldbrand hat am Samstagabend die Großstadt Spokane im US-Bundesstaat Washington erreicht. Das als Old-Trails-Fire bezeichnete Feuer sprang über den Spokane River und griff auf nördliche Stadtviertel über. Nach vorläufigen Angaben der örtlichen Feuerwehr wurden bis Sonntagmorgen bis zu 600 Gebäude zerstört, tausende Menschen mussten evakuiert werden. Gouverneur Bob Ferguson rief für den gesamten Bundesstaat den Notstand aus.

Der Brand wuchs innerhalb weniger Stunden von rund einem Hektar auf mehr als 1.400 Hektar an. Zusammen mit den Bränden Autumn Lane und Fairview führen die Behörden ihn nach Angaben des Nachrichtensenders KHQ inzwischen als „Spokane Complex Fire“, der insgesamt bis zu 5.000 Gebäude bedroht. Über 13.000 Haushalte waren zwischenzeitlich ohne Strom, wie der ORF unter Berufung auf lokale Versorger berichtet. Im nördlichen Stadtteil Indian Trail brannten laut Sender KREM ganze Straßenzüge nieder, ein Krankenhaus für Kriegsveteranen wurde geräumt. Im städtischen Kongresszentrum richteten die Behörden eine Notunterkunft ein.

Wenn die Sonne untergeht und wieder aufgeht, werden wir schockiert sein.
- Generalmajor Gent Welsh, Kommandeur der Nationalgarde Washington, ORF

Bürgermeisterin Lisa Brown sprach am Samstagabend von einer der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte der Stadt. Generalmajor Gent Welsh, Kommandeur der Nationalgarde in Washington, rechnete auf einer abendlichen Pressekonferenz mit einem drastischen Anstieg der Schadenszahlen. Die Nationalgarde unterstützt seit Samstagabend Feuerwehr und Polizei bei Evakuierungen und Verkehrslenkung.

Der Nationale Wetterdienst hatte für den Osten Washingtons erstmals eine „extreme“ Waldbrandwarnung ausgegeben. Der US-Klimaforscher Daniel Swain, an der University of California in Los Angeles tätig, sprach auf LinkedIn von einer „sich entfaltenden Waldbrand-Katastrophe“ mit „drei getrennten Großbränden in oder nahe der Stadt“. Washington erlebt das vierte extrem trockene Jahr in Folge. Seit Jahresbeginn brannten laut Landesbehörde DNR bereits mehr als 172.000 Hektar, verteilt auf über 1.000 registrierte Brände. Für den Sonntag rechneten die Meteorologen erneut mit Böen von bis zu 50 Stundenkilometern, ohne nennenswerten Regen.