Die Ferienzeit trifft auf einen neuen Preisschub an der Zapfsäule. Super E10 kostete am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,152 Euro pro Liter, Diesel 2,177 Euro - der achte Anstieg in Folge, wie das ZDF unter Berufung auf ADAC-Daten berichtete. Beim Benzin fehlen damit noch vier Cent zum Rekord vom Ostergeschäft und rund fünf Cent zum Allzeithoch aus dem Ukraine-Krisenjahr 2022.

Innerhalb von zwei Wochen ist E10 um 13,6 Cent teurer geworden, Diesel sogar um 23,1 Cent. Auslöser ist der wieder eskalierte Krieg zwischen den USA und dem Iran, in dessen Verlauf Teheran Nadelstiche gegen den Tankerverkehr in der Straße von Hormus fährt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte binnen einer Woche von rund 75 auf 85 Dollar; das schlägt bei einer Verzögerung von Tagen an der Tankstelle durch.

Trotz der Rekordannäherung schließt die Bundesregierung neue Entlastungen aus. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte in der Bundespressekonferenz, das im Juni ausgelaufene Kraftstoff-Paket sei „beendet, und momentan sehe man keine neuen Maßnahmen“. Die aktuellen Preisbewegungen hingen an den Ereignissen im Nahen Osten, so Kornelius, und würden vom Bundeskanzleramt beobachtet - ein Eingriff in den Markt sei aber nicht geplant. Der befristete Tankrabatt von Mai bis Juni hatte den Bund rund 1,6 Milliarden Euro gekostet.

Der Anstieg an der Tankstelle liegt trotzdem einige Cent über dem Ölpreisanstieg.
- ADAC, aktueller Kraftstoffpreis-Bericht

ADAC sieht die Mineralölkonzerne in der Pflicht

Der ADAC-Vergleich mit der Zeit vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar wirft ein hartes Licht auf die Preisdynamik: Damals lag E10 im Bundesschnitt bei 1,789 Euro, Diesel ähnlich niedrig - beide Kraftstoffe haben also rund 30 Cent pro Liter zugelegt. Der Automobilclub hält den Konzernen vor, dass der Aufschlag an der Tankstelle „einige Cent über dem Ölpreisanstieg“ hinausgehe, und rät Autofahrern, kurz vor zwölf Uhr zu tanken: In diesem Fenster liege der Preis regelmäßig unter dem Tagesdurchschnitt.

Regional streuen die Preise erheblich. Am teuersten war E10 zuletzt in Sachsen, am günstigsten im Saarland; beim Diesel liegt Hessen an der Spitze, Berlin am unteren Ende. Zwischen Nachbartankstellen sind laut ADAC Unterschiede von bis zu sieben Cent je Liter üblich. Aus der SPD-Fraktion mehren sich Rufe nach einem Preisdeckel; das ifo-Institut hält dagegen und plädiert dafür, eine mögliche Entlastung auf einkommensschwache Haushalte zu begrenzen. Ifo-Chef Clemens Fuest hatte in den vergangenen Wochen mehrfach kritisiert, dass ein neuer Tankrabatt vor allem Vielfahrer mit hohem Einkommen entlaste.

Hormus bleibt der neuralgische Punkt

Solange sich der US-Iran-Konflikt an der Straße von Hormus entlädt - durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt - bleiben Sprünge im Ölpreis eher die Regel als die Ausnahme. Die Bundesregierung setzt darauf, dass eine militärische Deeskalation im Persischen Golf den Preisdruck von selbst nimmt. Ob Berlin diese Wette in der Reisesaison durchhält, wenn Millionen Pendler und Urlauber täglich an der Preistafel vorbeifahren, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.