Der FC St. Pauli hat sich am Donnerstag von Cheftrainer Alexander Blessin getrennt. 19 Tage nach dem feststehenden Abstieg aus der Bundesliga zog der Kiezklub den Schlussstrich unter eine Zusammenarbeit, die ihn 2024 in die Bundesliga zurückgebracht und ein Jahr später wieder in die Zweite Liga geführt hatte. Blessins Vertrag hätte regulär noch bis Sommer 2027 gelaufen. Als Nachfolger gilt nach übereinstimmenden Berichten der Hamburger t-online-Redaktion und der Bundesliga-Mediathek der frühere Kieler Trainer Marcel Rapp.

Sportchef Andreas Bornemann erklärte die Entscheidung im Vereinsstatement zurückhaltend, aber deutlich. „Wir sind Alex für seine gute und leidenschaftliche Arbeit in den vergangenen beiden Jahren dankbar“, so Bornemann auf bundesliga.com. „Alex' Qualitäten als Trainer sind unbestritten; wir sind nach unserer Analyse aber zu dem Schluss gekommen, dass eine Trennung und ein frischer Start mit voller Überzeugung in diesem Sommer der richtige Weg sind.“ Präsident Oke Göttlich ordnete Blessins Anteil an der jüngeren Vereinsgeschichte ein: „Damit ist Alex mitverantwortlich für eine der sportlich erfolgreichsten Phasen des FC St. Pauli.“

Hinter den dürren Sätzen steckt eine wochenlange Hängepartie. Zwei Tage nach Saisonende hatte Blessin selbst eine Fortsetzung offengehalten: „Daran zu arbeiten, das wiedergutzumachen, ist auf jeden Fall eine Option“, zitierte ihn die Bundesliga. Doch der 53-Jährige rang sich auch in den knapp drei Wochen danach nicht zu einem klaren Bekenntnis durch - und genau diese Unentschlossenheit ließ bei den Verantwortlichen die Zweifel wachsen, wie der Bundesliga-Bericht festhält.

Alex' Qualitäten als Trainer sind unbestritten; wir sind nach unserer Analyse aber zu dem Schluss gekommen, dass eine Trennung und ein frischer Start mit voller Überzeugung in diesem Sommer der richtige Weg sind.
- Andreas Bornemann, Sportchef FC St. Pauli

Eine Saison aus harmlosem Angriff und Defensivlücken

Sportlich gibt der NWZ-Bericht den Rahmen der Trennung wieder: schwache Defensive, harmlosester Angriff der Liga, in der Hinrunde neun Niederlagen in Serie. Blessin hatte den Kiezklub zuvor mit begrenzten finanziellen Mitteln in die Bundesliga gehoben und dort gehalten - in seinem zweiten Bundesliga-Jahr trugen die Mechanismen aber nicht mehr. Bornemann betonte, dass intern „gewissenhaft“ geprüft und „nicht voreilig“ entschieden worden sei. Beim Verein heißt es, ein „frischer Start“ sei eher zu erwarten, wenn ein neuer Trainer den Sommer komplett für sich gestalte.

Rapp kommt ablösefrei aus Kiel

Marcel Rapp, 47, kann ohne Ablösezahlung wechseln: Sein Vertrag bei Holstein Kiel wurde nach dem zweiten Abstieg Ende Februar 2026 vorzeitig aufgelöst. In Kiel hinterließ er einen Karriereabdruck, den auch das Vereinsporträt der Norddeutschen festhält. Im Oktober 2021 hatte er die Mannschaft im Tabellenkeller der Zweiten Liga übernommen, drei Jahre später führte er sie mit einem 1:1 am vorletzten Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf zum erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga - Holstein wurde zum 58. Bundesligisten und ersten überhaupt aus Schleswig-Holstein. Mit 1604 Tagen im Amt hält Rapp dort die zweitlängste Trainer-Amtszeit.

Spielidee und Profil passen, wie die Hamburger t-online-Recherche herausarbeitet, zum Hamburger Kader: offensiver Ballbesitzfußball, hohes Verteidigen, Gegenpressing, je nach Phase Fünfer- oder Dreierkette. Wie Blessin gilt Rapp als ruhiger, akribischer Arbeiter. Ein offizieller Vorstellungstermin steht laut Hamburger Berichten noch aus, soll aber „in den kommenden Tagen“ folgen.