Wie am Vormittag berichtet, sollte der Zweitliga-Auftakt am Millerntor zeigen, wie weit Marcel Rapp mit dem FC St. Pauli nach dem Bundesliga-Abstieg schon ist. Die Antwort lautet: nah dran, aber noch nicht am Ziel. Vor 29.218 Zuschauern trennten sich die Kiezkicker und die SpVgg Greuther Fürth am Sonntagnachmittag 1:1. Marcus Mathisen köpfte die Hamburger direkt nach dem Seitenwechsel nach einer Ecke von Branimir Hrgota in Führung, Felix Klaus glich sechs Minuten später nach einem Steilpass von Jannik Dehm aus.
Rapp hatte seine Mannschaft im 3-4-1-2 aufgestellt, mit dem Neuzugang Hrgota als hängende Spitze hinter Taichi Hara und Martijn Kaars. Der Plan ging über weite Strecken auf. St. Pauli kam laut Kicker-Daten auf 57,6 Prozent Ballbesitz und die besseren Expected Goals (1,91 zu 1,50), scheiterte aber zweimal an sich selbst: Kaars vergab schon in der 13. Minute frei vor Florian Hellstern, in der 57. Minute stand er beim vermeintlichen Führungstreffer im Abseits.
Fürth, das die vergangene Saison erst über die Relegation gegen Rot-Weiß Essen gerettet hatte, verließ sich auf die Effizienz seiner Umschaltmomente. Klaus scheiterte vor dem Ausgleich dreimal an St. Paulis Keeper (19., 36., 43.), ehe er nach Wiederanpfiff verwandelte. „Wir können damit leben, weil wir wussten, welches Kaliber wir vor uns hatten, auch mit der Wucht des Stadions“, sagte Trainer Heiko Vogel nach Abpfiff der Sportschau.
Rapp fehlen die Kleinigkeiten
In der Schlussphase spitzte sich die Partie noch einmal zu. Referee Harm Osmers ließ nach einem Zweikampf zwischen Ricky-Jade Jones und Jannis Heuer im Fürther Strafraum weiterlaufen und interpretierte den Kontakt als unabsichtlich - eine vertretbare Entscheidung, gegen die St. Paulis Bank vergeblich reklamierte. In der siebten Minute der Nachspielzeit hatte Fürths Daniel Srbeny sogar die Chance auf den Siegtreffer, sein Abschluss wurde geblockt.
Rapp, der von Holstein Kiel kam und Alexander Blessin ersetzt, bilanzierte nach Angaben von t-online, der größte Fehler wäre, sich noch für einen Erstligisten zu halten und die 2. Liga entsprechend anzugehen - dann habe man keine Chance. Der Warnschuss ist angekommen: Am kommenden Wochenende wartet mit dem Auswärtsspiel bei Preußen Münster ein Gegner, der zu Hause traditionell unangenehm ist. Punktgleich mit einem Zähler stehen die Kiezkicker nach dem ersten Spieltag auf Platz neun, Fürth folgt auf Rang zehn.