Beim Toronto International Film Festival hat „I Play Rocky“ am Samstagabend Weltpremiere gefeiert. Peter Farrellys Drama über den jungen Sylvester Stallone kam bei der Vorführung so gut an, dass das Publikum bereits während des Abspanns zu applaudieren begann und dem Film eine der lautesten Standing Ovations des diesjährigen Festivals bescherte, wie Variety und der US-Branchendienst Deadline aus dem Saal berichten.

Anthony Ippolito spielt darin den 1975 noch weitgehend erfolglosen New Yorker Schauspieler, der nach dem Boxkampf zwischen Muhammad Ali und dem Außenseiter Chuck Wepner in wenigen Tagen das Drehbuch zu „Rocky“ schreibt. Hollywood-Studios wollen den Stoff kaufen, verlangen aber, dass Stallone die Titelrolle einem etablierten Star überlässt. Er lehnt ab und riskiert damit seine gerade begonnene Karriere - bis United Artists ihn schließlich unter Vertrag nimmt.

Regisseur Peter Farrelly, 2019 mit „Green Book“ für den besten Film mit dem Oscar ausgezeichnet, hatte den echten Stallone von Anfang an eingebunden. „I said from the beginning I'm not going to make the movie unless Sylvester Stallone signs off on it“, sagte Farrelly nach der Premiere. Der Schauspieler habe das Drehbuch gelesen und grünes Licht gegeben: „And he read the script and said 'go ahead', and he saw the movie, he was very happy, thank God.“ Laut englischer Wikipedia-Chronik der Produktion hatte Stallone im Vorfeld erklärt, offiziell nicht kontaktiert worden zu sein, sich aber offen für eine beratende Rolle gezeigt.

The depth that Stallone had gone to before he made this movie, and the battle was even when he was shooting the movie, it all got me, because I didn't know it all.
- Peter Farrelly, Regisseur, nach der TIFF-Premiere

Ippolito, mit 27 Jahren bislang wenig bekannt, hatte sich per selbst gedrehtem Audition-Tape beworben, bevor überhaupt ein reguläres Casting begonnen hatte. „The movie shows that it's not really that easy to be an actor sometimes, and it's just... absolutely surreal“, sagte er nach der Vorführung. Owen Gleiberman lobt in seiner Variety-Kritik, wie präzise der Film das Muster zwischen dem realen Kampf Stallones und der Fiktion von Rocky Balboa nachzeichnet; Robert Daniels wiederum wertet ihn bei ScreenDaily als soliden, aber vorhersehbaren Crowdpleaser ab.

Vom Publikumsliebling zum Oscar-Anwärter

In den Awards-Prognosen ist das Kalkül eindeutig. Deadline-Chefredakteur Justin Kroll handelt den Film offen als Best-Picture-Kandidaten, wie das Portal Filmstarts unter Berufung auf ihn zitiert. Auch die deutsche Kritik ordnet ihn ins Feld der Anwärter für die Oscars 2027 ein: Das Vorzugswahlsystem der Academy begünstige Konsensfilme wie diesen, argumentiert Julius Vietzen auf Filmstarts. Auf Rotten Tomatoes stehen aktuell 79 Prozent positive Kritiken, der Metacritic-Score liegt bei 63 von 100.

Um Ippolito herum spielt eine breit besetzte Nebenriege: Matt Dillon verkörpert Stallones Vater Frank Sr., Stephan James den späteren „Apollo Creed“-Darsteller Carl Weathers, AnnaSophia Robb Stallones erste Ehefrau Sasha Czack. Regie führt Farrelly nach einem Drehbuch von Peter Gamble, produziert hat Amazon MGM Studios in New York, Philadelphia und Los Angeles.

In die US-Kinos startet „I Play Rocky“ am 6. November zunächst in ausgewählten Städten, ab dem 20. November flächendeckend. Der deutsche Verleih Leonine bringt den Film laut Kino-Zeit am 26. November in die hiesigen Kinos.