Das Berliner Rüstungs-Startup Stark Defence steht kurz vor der ersten Auslieferung seiner Kamikaze-Drohnen an die Bundeswehr. Auf der Euro Defence Expo (Eudex) in Essen kündigte Senior Vice President Josef Kranawetvogl am Mittwoch an, die ersten Systeme des Typs Virtus würden „bald“ ausgeliefert. Die erste Charge hat nach Angaben des Unternehmens einen Wert von 275 Millionen Euro. Die Stückzahl nannte Stark Defence nicht.
Der Auftrag ist Teil eines Rahmenvertrags über 2,9 Milliarden Euro, den der Bundestag im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hatte; freigegeben ist bisher eine Milliarde. In derselben Größenordnung liegen laut Berichten die Rahmenverträge, die die Konkurrenten Helsing und Rheinmetall für ihre Loitering-Munition-Systeme erhalten haben. Deutschland zieht damit im Bereich der Klein- und Mittelstreckendrohnen nach, in dem die Bundeswehr bislang deutlich hinter Staaten wie der Ukraine oder Israel zurückliegt.
Die Virtus ist nach Herstellerangaben bis zu 75 Minuten in der Luft, fliegt bis zu 130 Kilometer weit und wiegt maximal 33 Kilogramm. Zwei Kameras sitzen an einem vierflügeligen Rumpf, der Stückpreis liegt nach Angaben von Kranawetvogl unter 100.000 Euro. Die Software erlaubt es einem Bediener, mehrere Drohnen parallel zu steuern. „Ein Operator kann mit softwareunterstützten KI-Mechanismen mehrere Drohnen steuern“, sagte Kranawetvogl in Essen. Die Systeme sind bereits im Ukraine-Krieg im Einsatz.
Der Panzer, der damit ausgeschaltet werden kann, kostet mehrere Millionen Euro - der finanzielle Vorteil des Drohnen-Einsatzes ist groß.
Erste Systeme gehen nach Litauen
Die erste Lieferung soll an die deutsche Brigade gehen, die seit dem Frühjahr in Litauen stationiert ist. Bei einer Nato-Übung im November sollen die Drohnen erstmals in einem größeren Manöver-Rahmen erprobt werden. Kranawetvogl positionierte die Virtus als Ergänzung zu schwerem Gerät, nicht als Ersatz - Zielaufklärung und Zielbekämpfung blieben menschlich kontrolliert, die KI unterstütze bei der Bahnplanung.
Stark Defence wurde 2024 gegründet und beschäftigt nach eigenen Angaben rund 750 Menschen. Der Hauptsitz liegt in Berlin, produziert wird an Standorten in Großbritannien, Schweden, Griechenland sowie an zwei nicht öffentlich benannten Fertigungsstätten in der Nähe von Kiew. Der aktuelle Bundeswehrauftrag ist der Durchbruch für das junge Unternehmen im deutschen Markt und markiert zugleich die schnelle Konsolidierung eines neuen Segments: Rheinmetall, Helsing und Stark liefern sich mittlerweile parallel Milliardenaufträge im Loitering-Munition-Segment.