In der Nacht zum Mittwoch brach bei zahlreichen ukrainischen Drohneneinheiten die Starlink-Verbindung ab. Nach Angaben aus Kiew hat der Betreiber SpaceX die mobilen Terminals auf rund 160 Kilometer pro Stunde begrenzt - zu langsam für die meisten Angriffsdrohnen, die das Satellitennetz zur Steuerung und Bildübertragung nutzen.

Erstmals öffentlich machte den Vorwurf Serhij Beskrestnow, Technologieberater im ukrainischen Verteidigungsministerium. „Aktuell betreffen die Einschränkungen das 'Militärpaket' der Dienste von StarShield; sie wurden auf eine Geschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde begrenzt“, schrieb Beskrestnow in einem Online-Beitrag, zitiert vom Portal ARIVA. „Das hat zum Scheitern von einigen Missionen geführt.“ Ein ranghoher Regierungsvertreter aus Kiew sagte der Nachrichtenagentur AFP, Washington habe die Angriffe zusätzlich nicht vorab mit Geheimdienstinformationen begleitet. „Es war bereits zweimal so, dass uns die Amerikaner nicht über den Start russischer Raketen informiert haben“, heißt es laut ZDFheute.

Dieses Vorgehen kann kein Zufall sein und steht im Zusammenhang mit der aktuellen politischen Lage.
- Serhij Beskrestnow, Technologieberater, zitiert bei PBS NewsHour

Musk verweist aufs Weiße Haus

Elon Musk reagierte auf X. Auf seine frühere Zusage, Starlink werde die Ukraine nicht als Druckmittel benutzen, ging der SpaceX-Chef nicht ein. Stattdessen schrieb er, Entscheidungen über „Limitierungen auf Geschwindigkeit oder Verwendung“ würden letztlich vom US-Militär und „schlussendlich durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten“ getroffen, so die Wiedergabe im Schweizer Portal 20 Minuten. Eine offizielle Stellungnahme von SpaceX oder dem Weißen Haus liegt bislang nicht vor, berichtet die US-Nachrichtenseite PBS NewsHour.

Polens Außenminister Radoslaw Sikorski adressierte Musk direkt auf X: „Hey Elon Musk, big man, spielst du mal wieder Politik mit deinen Produkten?“ Beskrestnow warnte zugleich, der Ukraine werde „eine der wenigen Chancen“ genommen, sich gegen die iranisch geprägten Shahed-Drohnen Russlands zu verteidigen, wie Al Jazeera zitiert.

Drosselung trifft Trump-Vorstoß zur Waffenruhe

Die Geschwindigkeitsgrenze fällt in eine politisch aufgeladene Woche. US-Präsident Donald Trump hatte am 11. Oktober einen Energie-Waffenstillstand zwischen Moskau und Kiew angekündigt. Bereits am Abend desselben Tages traf eine russische Rakete das Kraftwerk in Charkiw. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters folgten mindestens sechs weitere Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur, darunter ein Wärmekraftwerk in Kiew. In der Nacht zum 14. Oktober starben bei einem erneuten Beschuss der Hauptstadt mindestens neun Menschen, berichtet Al Jazeera.

Für die ukrainischen Streitkräfte trifft die Drosselung einen empfindlichen Punkt. Angriffsdrohnen - sowohl die Shahed-Baureihen als auch ukrainische FPV-Modelle - fliegen regelmäßig schneller als 160 km/h. Soldaten berichteten laut dem Portal finanzen.net sogar von Abbrüchen schon bei 60 bis 70 km/h. Beskrestnow sprach ausdrücklich von StarShield, der militärisch gehärteten Variante des Starlink-Netzes.

Für Kiew ist der Fall mehr als eine technische Panne. 2025 hatte Musk auf X öffentlich erklärt: „No matter how much I disagree with the Ukraine policy, Starlink will never turn off its terminals.“ Die aktuelle Einschränkung wird in Kiew nun ausdrücklich als Teil einer Trump-Linie gelesen, die zuletzt auch einen Führungswechsel in Kiew ins Gespräch gebracht hatte.