Europas größte Mobilfunkkonzerne wollen Elon Musks Starlink nicht länger die Deutungshoheit im Satellitengeschäft überlassen. Deutsche Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica schmieden eine Allianz, die am Dienstag beim Treffen der EU-Telekommunikationsminister im irischen Limerick politischen Rückenwind bekommen hat. Zur Debatte steht ein Gesetzesvorschlag, der europäischen Betreibern bevorzugten Zugriff auf das 2-GHz-Satellitenband sichern soll - jenes Frequenzpaket, das 2027 neu vergeben wird und die Grundlage für Direktverbindungen vom Satelliten aufs Handy bildet.
Die vier Konzerne hatten sich bereits auf dem Pariser Weltraumgipfel sondiert, nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Branche öffentlich aufgefordert hatte, eine gemeinsame europäische Antwort auf SpaceX zu organisieren. Was damals wie ein außenpolitisches Signal klang, wird nun zur konkreten Industriepolitik: In Brüssel liegt der Entwurf einer Verordnung, die das 2-GHz-Band in drei Teile zerlegt - ein Drittel für einen europäischen Satellitenbetreiber, ein Drittel für die geplante EU-Konstellation IRIS², ein Drittel offen für alle Bewerber. Starlink hätte damit auf dem lukrativsten Band Europas kaum noch eine Chance auf eine Vollabdeckung.
Wir wollen diesen Dienst unbedingt unseren Kundinnen und Kunden anbieten - und werden einen einzigen dominanten Spieler keinesfalls tolerieren.
Im Europäischen Parlament ziehen die EVP-Abgeordneten Angelika Winzig und Michał Kobosko mit. Ihre Änderungsanträge sehen vor, die Hürden für internationale Mitbewerber im Bieterverfahren spürbar anzuheben. Rückendeckung kommt aus Berlin: Die Bundesregierung hatte zuletzt wiederholt betont, Europa dürfe seine kritische Kommunikationsinfrastruktur nicht allein in die Hände eines US-Konzerns legen, der sich zudem öffentlichkeitswirksam in internationale Konflikte einmischt.
SpaceX wehrt sich hinter den Kulissen. In vertraulichen Papieren, die in Brüssel kursieren, warnt der Konzern, die geplanten Regeln würden „europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern verlässliche Direktverbindungen vorenthalten", wie heise online berichtet. Die Argumentation zielt auf einen wunden Punkt der Allianz: Ein eigenständiges europäisches Satellitennetz existiert bislang nur auf dem Papier. Das IRIS²-Konsortium um Eutelsat, SES und Hispasat soll ab 2029 erste Dienste anbieten; bis dahin bleibt Starlink mit über 8.000 Satelliten in niedriger Umlaufbahn das einzige funktionsfähige Direct-to-Cell-System.
Die ambivalente Rolle der Telekom
Besonders heikel ist die Position der Deutschen Telekom. Der Konzern hat Anfang des Jahres mit Starlink eine Partnerschaft angekündigt, über die ab 2028 Satellitenanrufe aus bisher nicht erschlossenen Regionen in zehn europäischen Ländern möglich sein sollen. Nun betreibt derselbe Konzern in Brüssel Lobbyarbeit, die genau diesen Dienst in Europa erschweren könnte. Vodafone hat sich mit dem US-Partner AST SpaceMobile eine eigene Satellitensparte zugelegt und das Joint Venture Satellite Connect Europe in Luxemburg gegründet - operatives Zentrum soll in Deutschland entstehen.
Zusätzlichen Druck erzeugt eine Nachricht vom 10. Oktober: SpaceX hat in den USA für kolportierte Milliardenbeträge terrestrische Frequenzen von Grain Management übernommen und damit die Grundlage gelegt, auch bodenseitig als Mobilfunkanbieter aufzutreten. Für die etablierten Netzbetreiber ist das die eigentliche Zäsur - zuletzt gaben die Aktien von T-Mobile, Deutscher Telekom, Verizon und AT&T nach der Meldung deutlich nach.
Entschieden ist in Limerick nichts. Der nächste Schritt sind die Verhandlungen zwischen Rat, Parlament und Kommission über die endgültige Fassung der Verordnung. Für die Allianz der vier Netzbetreiber geht es um Zeit: Werden die Frequenzen 2027 nach heutigen Regeln versteigert, kann Starlink mitbieten. Werden sie nach den Brüsseler Plänen aufgeteilt, hätte Europa den entscheidenden Hebel in der Hand - zumindest bis IRIS² tatsächlich sendefähig ist.