Zur 50. Auflage der ADFC-Sternfahrt haben am Sonntag zehntausende Radfahrerinnen und Radfahrer Berliner Stadtautobahnen und Hauptstraßen für sich beansprucht. Die Polizei sprach in der Spitze von rund 30.000 Teilnehmenden, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) selbst von Zehntausenden, die aus Berlin, Brandenburg und mehreren Bundesländern angereist waren. Ziel war wie in den Vorjahren der Große Stern an der Siegessäule, wo die Fahrt in die Abschlusskundgebung des 31. Umweltfestivals am Brandenburger Tor mündete.

Unter dem Motto „Die Zukunft fährt Rad!“ führten 20 Routen plus Zubringer mit insgesamt mehr als 2.700 Kilometern zum Tiergarten. Zehn dieser Routen nutzten die Avus, acht die A100, dazu kamen zwei langsamere Familienrouten ohne Autobahnabschnitte. Die Polizei sperrte den A100-Abschnitt zwischen Dreieck Neukölln und Spandauer Damm sowie die A115 zwischen Kreuz Zehlendorf und Dreieck Funkturm von 12 bis 14.30 Uhr; Straße des 17. Juni und Ebertstraße blieben bis Mitternacht in beide Richtungen dicht.

Die Sternfahrt geht auf das Jahr 1977 zurück, als der erste Berliner Fahrradkorso gegen den Ausbau innerstädtischer Schnellstraßen protestierte. Das Bild der Demonstrantinnen auf gesperrter Autobahn ist seither das stärkste Symbol der Veranstaltung. Auch 2026, im 50. Jahr, prägte es die Live-Bilder von rbb und Tagesspiegel: Familien, Lastenräder und sportliche Gruppen rollten mit zehn bis fünfzehn Kilometern pro Stunde durch den Tunnel der A100.

Berlin ist längst Fahrradstadt der Herzen. Radfahren macht glücklich, ist gesund und oft die schnellste und direkteste Art, mobil zu sein.
- Marlene Alber, Politische Referentin ADFC Berlin

Forderung: Ausbau statt Kürzungen

Inhaltlich richtete sich die Demonstration vor allem an den schwarz-roten Berliner Senat. Marlene Alber, Politische Referentin des ADFC Berlin, forderte „Ausbau statt Kürzungen, Investitionen statt Streichungen“ und verlangte, dass der Senat das geltende Mobilitätsgesetz auch tatsächlich umsetze. Der Verband verweist auf gestoppte Radwegeprojekte und Mittelkürzungen, die nach Senatsbeschlüssen seit Anfang 2025 wirksam geworden seien.

Bei sonnigem Wetter mit Wolken und kurzen Schauern lag die Temperatur am Sonntagmittag bei rund 20 Grad. An mehreren Autobahnabschnitten kam es zu kilometerlangen Rückstaus, an denen Teilnehmende zeitweise ihr Rad schoben. Über das Routennetz verteilten sich 68 Treffpunkte, an denen unterwegs eingestiegen werden konnte; rund 300 Ehrenamtliche organisierten Streckenposten und Sanitätsdienst.

Nach Angaben des ADFC reisten Gruppen aus Stuttgart und München an, Übernachtungstouren waren aus Stettin, Leipzig und Dessau organisiert worden. Am Großen Stern endete die Fahrt nicht abrupt: Über die Straße des 17. Juni schlossen sich tausende Teilnehmende dem Umweltfestival am Brandenburger Tor an, das bis 18 Uhr Stände zu Stadtklima, Verkehrswende und nachhaltiger Mobilität bot.