Jan-Lennard Struff steht am Sonntagnachmittag vor der größten Chance seiner Karriere. Der 36-jährige Warsteiner trifft im Achtelfinale der Wimbledon Championships auf dem No. 2 Court auf den Polen Hubert Hurkacz. Nach Angaben von tennisnet ist die Partie als drittes Match auf dem Court angesetzt, deutscher Sendestart bei Amazon Prime ist gegen 15 Uhr MESZ. Ein Sieg wäre für Struff der erste Einzug in ein Grand-Slam-Viertelfinale überhaupt.
Der Warsteiner war am Freitagabend mit einem 7:6 (7:4), 7:6 (7:5), 7:5 gegen Daniil Medwedew erstmals in ein Wimbledon-Achtelfinale gezogen. In allen drei Sätzen kam er von einem Rückstand zurück, wie die Sportschau berichtete. Auf der Pressekonferenz danach fiel Struff auf, weil er die Bedeutung des Erfolgs nicht kleinreden wollte. „Es war Wahnsinn“, sagte er im Sport1-Interview. „Dass ich ihn in drei Sätzen schlage, ist unglaublich.“
Hurkacz gehört auf Rasen zu den gefährlichsten Aufschlägern der Tour. Der 29-Jährige stand 2021 im Wimbledon-Halbfinale, gewann 2022 das Rasenturnier in Halle/Westfalen und hat seit Turnierbeginn drei Runden souverän überstanden. Struff sprach in einer Medienrunde von einem „brutal schweren“ Gegner - und schob nach: Jedes Match sei „bei 50:50“.
Ich werde alles auf dem Platz lassen und mir den Arsch aufreißen.
Die Rasenbilanz spricht für Struff
Im direkten Vergleich treffen sich beide zum fünften Mal, die Gesamtbilanz ist ausgeglichen. Wie tennisnet festhält, gewann Struff das bislang einzige Rasenduell auf ATP-Ebene beim Stuttgarter Turnier 2023. Die beiden Hartplatzpartien gingen an Hurkacz, das eine Sandplatzmatch ebenfalls an den Warsteiner. Auf dem grünen Belag hatte Struff in dieser Saison bereits in Halle das Halbfinale erreicht, ehe er dort gegen Alexander Zverev ausschied.
Für Struff ist das Match zudem die Rückkehr auf einen Court, auf dem er sich zuletzt Selbstvertrauen erspielt hat. Der 45-Asse-Marathon gegen Brandon Nakashima in Runde eins, der über zwei Tage und fünf Sätze ging, und der Medwedew-Coup zwei Tage später sind die Referenz. Nummer 61 der Weltrangliste gegen einen ehemaligen US-Open-Sieger, gewonnen im dritten Anlauf ohne verlorenen Satz - selten hat der Warsteiner ein solches Turnier gespielt.
Rüsten mit Hund und Ruhephase
Zwischen den Matches wollte Struff nicht mehr, als er musste. „Ich bin nicht mehr der Jüngste“, sagte er der Sport1 - Zeit im Garten, Zeit mit dem Hund, schlafen, Wimbledon und Fußball schauen. Sein Trainerteam habe die Belastungssteuerung nach dem Nakashima-Krimi bewusst niedrig gehalten. Am Sonntagnachmittag geht es dann wieder um Aufschläge und Returns: Der Sprung ins Viertelfinale wäre bei jedem der vier Grand-Slam-Turniere eine Premiere, in London zudem der Beweis, dass die Fitness des 36-Jährigen für zwei Wochen Rasen reicht.
Auch der zweite Deutsche im Turnier, French-Open-Sieger Alexander Zverev, hat sein Achtelfinale erreicht. Er trifft am Montag auf den Tschechen Jiri Lehecka, wie Eurosport bestätigt. Zuvor aber liegt der deutsche Blick am Sonntag auf Court No. 2.