An diesem Wochenende richten das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und mehrere Patientenverbände den 44. Tag der Organspende aus. Zentrale Bühne ist Leipzig, wo der Aktionstag am 6. und 7. Juni in das 33. Stadtfest eingebettet wird. Auf der Grimmaischen Straße, am Marktplatz und am Augustusplatz informieren die Veranstalter unter dem Motto „Zeit, Zeichen zu setzen“ über die Eintragung im Organspende-Register.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) appellierte zum Auftakt an die Bevölkerung, sich aktiv zu positionieren. „Jede Entscheidung für die Organspende gibt Hoffnung und kann Leben retten“, erklärte Warken laut einer Mitteilung der Veranstalter. Die DSO meldete für 2025 985 postmortale Organspender, ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Auch zum Jahresbeginn 2026 setzte sich der Trend fort: Von Januar bis Mai wurden 452 Spenderinnen und Spender und 1.405 transplantierte Organe gezählt, 6,1 beziehungsweise zwölf Prozent über den Werten des Vorjahreszeitraums.

Der Zuwachs reicht bei weitem nicht. Rund 8.200 Patientinnen und Patienten standen Ende 2025 auf den Wartelisten von Eurotransplant, knapp 3.150 erhielten im selben Jahr ein Organ. Allein auf eine Spenderniere warteten zuletzt mehr als 6.200 Menschen. DSO-Vorstand Axel Rahmel verwies in Leipzig auf das eigentliche Problem: „Die meisten Menschen befürworten die Organspende. Leider sehen wir zu häufig, dass im Fall der Fälle kein dokumentierter Wille vorhanden ist.“ Über das Online-Register oder einen Spenderausweis lässt sich eine Erklärung rechtsverbindlich hinterlegen.

Wir haben keine niedrige Spendenbereitschaft, sondern ein Dokumentationsproblem.
- Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalen

Parallel hat die DSO Anfang des Jahres ihren bislang größten Logistik-Umbau angeschoben. Seit Mitte Januar wird die hypotherme Maschinenperfusion für Spendernieren bundesweit eingeführt, zunächst mit 30 Geräten an acht Standorten. Im Deutschen Ärzteblatt hatte die Stiftung das Vorhaben als „wahrscheinlich größtes Projekt in der Geschichte der DSO“ bezeichnet. Geschätzt 500 Organe pro Jahr werden künftig durch die mit Sauerstoff und Nährlösung gespeisten Geräte transportiert. Das Verfahren erlaubt es, Spendernieren über erweiterte Kriterien hinaus zu beurteilen, und verbessert die Ein- und Drei-Jahres-Überlebensraten nach der Transplantation.

Bereits Ende März hatte der Bundestag die Lebendorganspende reformiert. Seit dem 26. März 2026 sind Überkreuzspenden zwischen blutgruppen- oder gewebeinkompatiblen Paaren möglich, ebenso die nicht gerichtete anonyme Nierenspende an unbekannte Empfänger. „Fehlende Übereinstimmung von Blutgruppen oder Gewebemerkmalen sollen nicht länger die Spende einer Niere an eine nahestehende Person unmöglich machen“, begründete Warken die Reform im März. Ein nationales Programm koordiniert die Vermittlung, die psychosoziale Begutachtung der Spender wurde verpflichtend.

Streit um die Widerspruchslösung

Politisch bleibt die Frage offen, ob Deutschland zur Widerspruchslösung wechselt. Eine fraktionsübergreifende Gruppe aus Union, SPD und Grünen schlägt vor, vom Jahr 2030 an jeden Erwachsenen als Spender zu führen, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht. Die AfD-Fraktion lehnt das ab und spricht von einem Grundrechtseingriff. Befürworter verweisen auf Spanien und Österreich, wo nach Branchenangaben teils doppelt so viele Organe pro Million Einwohner gespendet werden wie in Deutschland.

In Leipzig will die DSO am Samstagnachmittag mit der Aktion „Geschenkte Lebensjahre“ daran erinnern, was hinter den Zahlen steht. Transplantierte werden auf der Bühne am Augustusplatz Schilder hochhalten, auf denen die Jahre seit ihrer Transplantation stehen. Mit dabei ist BDO-Vorsitzende Sandra Zumpfe, die 2013 ein Herz und 2017 eine Niere erhielt. „Jeder von uns kann plötzlich auf eine Organspende angewiesen sein“, sagte sie zum Auftakt.