Um 18:50 Uhr am Freitag hat das Erste ein bewusst kontrastreiches Team ins Rennen geschickt. Auf der einen Seite Chefsprecher Jens Riewa, seit 1995 Stimme der 20-Uhr-Hauptausgabe der Tagesschau. Auf der anderen Amelie Marie Weber, die dieselbe Marke seit März 2024 auf TikTok und Instagram vertritt. Gemeinsam forderten die beiden in „Quizduell-Olymp“ die drei Stammspieler der ARD-Show heraus, 10.000 Euro Preisgeld standen auf dem Spiel.
Auf dem „Olymp“ saßen Staatsanwältin Marie-Louise Finck, der Historiker Eckhard Freise - erster Millionen-Gewinner in „Wer wird Millionär?“ - und Bankkaufmann Thorsten Zirkel. Esther Sedlaczek führte durch die 55-minütige Ausgabe, die seit Freitagabend in der ARD-Mediathek zum Abruf steht. Das Format tritt jede Woche mit einem neuen prominenten Zweierteam gegen die drei Champions an.
Preis für „Innovativen Content“
Für Weber fällt der Show-Auftritt in eine Phase, in der sich ihr Profil in Serie schärft. Anfang September verlieh ihr die scoop-Awards-Jury beim 18. scoopcamp in Hamburg den Preis in der Kategorie „Innovativer Content“. In der Begründung, die das Presseportal dokumentiert, heißt es, Weber erreiche „insbesondere junge Zielgruppen mit politischen und gesellschaftlich relevanten Themen“ und stärke damit „das Vertrauen in unabhängige Berichterstattung“.
Die 30-Jährige, geboren 1995 in Kaiserslautern, kam im März 2024 vom Funke-Konzern zur Tagesschau, wie das Branchenmagazin dnv berichtete. Bei Funke hatte sie seit 2021 die Social-Media-Redaktion geleitet und den TikTok-Kanal @DuHastDieWahl für Erstwähler aufgebaut. Zuvor volontierte sie an der Burda-Journalistenschule bei Focus. 2023 erschien ihr Buch „Generation Hoffnung“ über Klima, Krieg und Social Media aus Sicht ihrer Alterskohorte.
Alte und neue Marke unter einem Dach
Riewas Weg verläuft spiegelbildlich. Der 61-jährige Boizenburger sprach 1994 seine erste Tagesschau, seit 1995 gehört ihm die 20-Uhr-Hauptausgabe, im Dezember 2020 rückte er zum Chefsprecher auf. Wenn die ARD die beiden gemeinsam in eine Vorabend-Quizshow schickt, ist das mehr als Casting: Chef-Anchor und Digital-Native-Reporterin sollen als Doppelbild derselben Marke lesbar sein - Ziel der Redaktion, die im Wettbewerb um Zuschauer unter 35 zunehmend auf kurze Videoformate setzt.
Wer den 10.000-Euro-Topf am Ende geknackt hat, zeigt die Wiederholung in der Mediathek. Für das Nachrichtenhaus ist die eigentliche Botschaft die Aufstellung: alte Marke, neue Sprache - dieselbe Bühne.