Sanae Takaichi ist am Mittwochabend zu ihrem ersten Staatsbesuch in Indien in Neu-Delhi eingetroffen. Japans erste Regierungschefin trifft am Donnerstag Premierminister Narendra Modi zum 16. indisch-japanischen Jahresgipfel. Es ist Takaichis erste Auslandsreise nach der Regierungsübernahme in Tokio im Oktober und zugleich der Auftakt zu einem dreitägigen Besuch, der neben den Regierungsgesprächen ein Wirtschaftsforum mit 50 japanischen Unternehmensvertretern von Suzuki, Toyota Tsusho und Itochu vorsieht.

Im Zentrum der Beratungen stehen Halbleiter, künstliche Intelligenz und kritische Rohstoffe. Beide Regierungen wollen laut Auswärtigem Amt Indiens Absichtserklärungen unterzeichnen, die eine gemeinsame Lieferkette für Chips sowie eine Zusammenarbeit bei Batteriezellen, Pharmazeutika und seltenen Erden festschreiben. Geplant ist zudem eine „Industrial Value Chain“, die den Golf von Bengalen mit dem Nordosten Indiens verbindet - ein Vorhaben, das direkt auf die maritime Präsenz Chinas im Indopazifik zielt.

Sicherheitspartnerschaft und Rüstungstechnologie

Takaichi steht politisch in der Tradition des ermordeten Regierungschefs Shinzo Abe und gilt als sicherheitspolitische Falkin. Diplomatische Quellen in Tokio sagten der Nachrichtenagentur ANI, es werde beim Gipfel eine gemeinsame Erklärung zur Seesicherheit sowie zur Rüstungstechnologie geben. Indien werde in der japanischen Neufassung der Indo-Pazifik-Strategie als „unverzichtbarer Partner“ eingestuft. Die japanische Delegation bringt darüber hinaus ein Angebot für Investitionen in ein Ammoniak-Projekt im Bundesstaat Odisha mit sowie einen Aufwuchsplan für die Halbleiterallianz zwischen Sony, TSMC und dem indischen Tata-Konzern.

Für Modi ist die Visite ein außenpolitischer Gewinn, dessen Symbolik über den Handel hinausreicht. Erst im Juni hatte Washington im Streit um Zölle Neu-Delhi mit einer Anhebung um 12,5 Prozent gedroht. Die vertiefte Bindung an Tokio soll die indische Regierung in den Verhandlungen mit den USA stärken und zugleich das Bemühen um eine Diversifizierung weg von chinesischen Vorprodukten unterstreichen. Ein gemeinsames Statement zum Abschluss des Gipfels wird am Freitag erwartet.