Wenige Stunden vor dem Start des zweiten Tankrabatts hat sich die Mineralölwirtschaft am Dienstag festgelegt: Ab Mitternacht sollen die Steuersenkungen von 16,7 Cent pro Liter Benzin und Diesel „ohne Einschränkungen und Aufschläge“ an die Zapfsäulen durchgereicht werden. Das kündigte Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie (en2x), gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an.

Wie wir am 25. September nach der Bundestagsabstimmung berichteten, greift die befristete Senkung der Energiesteuer vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. Die Regelung wurde mit 434 zu 128 Stimmen beschlossen, um die durch den Iran-Krieg gestiegenen Spritpreise abzufedern. Rein rechnerisch fällt die Energiesteuer um 14,04 Cent, mit dem Mehrwertsteuer-Effekt ergibt sich die häufig genannte Entlastung von 16,7 Cent pro Liter. Rund 2,485 Milliarden Euro an Mindereinnahmen kalkuliert der Bund ein, die Länder tragen die Hälfte.

Die neuerliche Senkung von Energie- und Mehrwertsteuer wird ab 1. Oktober um Mitternacht ohne Einschränkungen und Aufschläge weitergegeben.
- Christian Küchen, en2x-Hauptgeschäftsführer, gegenüber dpa

Küchen verwies auf den Wettbewerbsdruck zwischen den rund 14.000 Tankstellen in Deutschland - dieser sorge dafür, dass die Steuersenkung schnell an die Kundschaft weitergegeben werde. Rechtlich gilt der Rabatt allerdings nur für Kraftstoffe, die ab dem 1. Oktober die Raffinerien und Tanklager verlassen. Die Versorgung der einzelnen Tankstellen erfolgt zeitversetzt. Wie beim ersten Tankrabatt im Mai und Juni 2026 rechnet der ADAC laut t-online damit, dass die Preise trotzdem „oft schon um Mitternacht“ fallen - vor allem in der Fläche.

Der Vergleichswert von Mai und Juni

Beim ersten Rabatt hatte das Bundeskartellamt später eine durchschnittliche Weitergabe von 13 bis 13,8 Cent pro Liter Diesel festgestellt - weniger als die theoretisch möglichen 16,7 Cent. Auch das Ifo-Institut und die Monopolkommission kamen zum Ergebnis, dass der Rabatt „weitgehend, aber nicht vollständig“ ankam. Der en2x hatte diese Einschätzung damals zurückgewiesen; nun stellt Küchen für den zweiten Durchgang eine „vollständige“ Weitergabe in Aussicht.

Für Verbraucher bedeutet das nach Berechnung des ADAC-Verbraucherportals rund 6,68 Euro Ersparnis pro 40-Liter-Tankfüllung, 8,35 Euro bei 50 Litern und rund 10 Euro bei 60 Litern - vorausgesetzt, die Steuersenkung kommt tatsächlich vollständig an. Vom Tanken direkt nach 12 Uhr rät der ADAC weiterhin ab: Seit April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag anheben, in der Regel eben zur Mittagszeit. Der Automobilclub fordert inzwischen die Abschaffung dieser Regel, weil sie Preissprünge tagesabhängig verstärke.

Ob die Zusage aus der Mineralölwirtschaft trägt, wird sich in den ersten Nachtstunden zeigen. Parallel arbeitet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an einem dauerhaften Spritpreisdeckel nach belgisch-luxemburgischem Vorbild, der spätestens zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Bis dahin bleibt der befristete Rabatt das Instrument, mit dem die Bundesregierung Autofahrer entlasten will - und der Praxistest an rund 14.000 Zapfsäulen beginnt heute Abend.