Die ARD schiebt den Tatort am Sonntagabend um zehn Minuten nach hinten. Statt der gewohnten 20:15 Uhr startet der 96. Fall des Kölner Ermittlerduos Max Ballauf und Freddy Schenk erst um 20:25 Uhr, weil die verlängerte Tagesschau die Ergebnisse der Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern einordnet. Der ARD-Wahlabend war bereits um 17:40 Uhr angelaufen, wie t-online meldet.

Auch das ZDF verschiebt sein Programm: Markus Lanz sendet eine einstündige Sonderausgabe erst um 22:15 Uhr, die Serie Juliet rückt auf 23:15 Uhr, die Dokumentation Umwelt Crime fällt komplett aus. Zwei Wahlen an einem Sonntagabend haben den öffentlich-rechtlichen Primetime-Fahrplan sichtbar verändert.

Ein Berufsschullehrer, ein Bunker, viele Prepper

Der neue Film mit dem Titel „Die letzten Menschen von Köln“ schickt Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär in einen ehemaligen Zivilschutzbunker in Köln-Kalk. Ein Berufsschullehrer wird mit durchgeschnittener Kehle gefunden, die Spur führt zu seiner verschwundenen Schwester und in eine Prepper-Szene, die im Bunker Überlebenstrainings abhält. Regie führt Marcus Weiler, das Drehbuch stammt vom Ehepaar Eva und Volker A. Zahn. Neben Behrendt und Bär spielen Katharina Schüttler, Ann-Kathrin Kramer, Florian Stetter und Katrin Wichmann.

Der Stoff berührt eine Debatte, die parallel zum Wahlabend läuft: Wie ernst nimmt die Bundesrepublik die eigene Krisenvorsorge? Die Prepper-Milieus, die der Film in den Blick nimmt, sind seit Jahren fester Bestandteil der Zivilschutz-Diskussion, in Talkshows wie in Sicherheitsberichten.

Kritiken fallen ungewöhnlich hart aus

Was für ein Fernsehereignis dieser Tatort werden könnte, fangen die Kritiken vor Sendebeginn bereits ein - und die Bilanz fällt bemerkenswert einheitlich negativ aus. TV Movie bescheinigt dem Film, er sei „uninspiriert und allem voran unsäglich öde“, eine Abrechnung mit der Prepper-Szene finde nicht statt. Bei Quotenmeter urteilt Oliver Alexander, das Drehbuch offenbare „ungeahnte Schwächen“, und formuliert einen der schärferen Sätze der Woche zur ARD-Krimidramaturgie.

Spannung entsteht nicht automatisch dadurch, dass Menschen in dunklen Räumen leise miteinander reden.
- Oliver Alexander, Quotenmeter

Die Stuttgarter Zeitung zieht einen unfreiwillig sportlichen Vergleich: „Was den Spannungsgrad angeht, hat der Regisseur Marcus Weiler vor einigen Jahren mit seinem ersten Kölner Krimi einen Maßstab gesetzt“, schreibt Tilmann P. Gangloff, den der neue Fall nicht erreiche. Auch kino.de-Rezensent Marek Bang lobt zwar das Ensemble, sieht im Drehbuch des „sonst so treffsicheren Ehepaares Eva und Volker A. Zahn“ aber „ungeahnte Schwächen“. Die NZZ hatte den Fall schon vorab in ihrer Vorschau verrissen.

Ob der Tatort trotz der schlechten Kritiken das übliche Millionenpublikum hält, wird sich am Montagvormittag zeigen, wenn die AGF-Quoten vorliegen. Der um zehn Minuten verschobene Sendestart dürfte die Zahlen zusätzlich verzerren: Der Wahlabend hat die Sehgewohnheiten am Sonntag ohnehin durcheinandergebracht.