Am Sonntag um 20.15 Uhr eröffnet die ARD ihre neue Tatort-Saison mit „König in Gelb“. Für Maria Furtwängler ist es der 33. Fall als LKA-Kommissarin Charlotte Lindholm - und er läuft an ihrem 60. Geburtstag. In der Mediathek ist die Folge bereits seit diesem Donnerstagabend abrufbar.
Regisseur und Drehbuchautor Alexander Adolph verlegt den Fall nach Kleinhude, eine fiktive Ortschaft in Niedersachsen mit einem sogenannten Demenzdorf. Nach einem tödlichen Unfall in der Einrichtung verdichten sich die Hinweise auf einen Mord. Ein zurückgezogen lebender Bewohner, der frühere Musikpädagoge Gustav König, gerät ins Visier von Matthias Vogel, einem pensionierten Kommissar, der sich selbst schon im Frühstadium einer Demenz befindet. Vogel ist überzeugt, dass König für sieben ungeklärte Todesfälle verantwortlich ist - und bittet Lindholm um Hilfe.
Die österreichische Zeitschrift tittelbach.tv nannte den Film in ihrer Kritik einen intelligenten Umgang mit einem sperrigen Stoff: Die Demenz sei „nicht oberflächlich appliziert“, sondern durchziehe die Erzählung auf allen Ebenen. Andreas Lust, der den kranken Ermittler Vogel spielt, wird für sein „Geschocktsein über sich selbst“ gelobt. Thomas Thieme spielt den mutmaßlichen Serienmörder König, der über weite Strecken schweigt.
Mutter und Tochter in einer Szene
Kathrin Ackermann, 88, ist im Film als Annemarie Lindholm zu sehen - der Mutter von Charlotte. Im echten Leben ist sie Furtwänglers Mutter. Es sei ihr erster Filmauftritt seit längerem, berichtet die Abendzeitung München; zuvor hatte sie in insgesamt 18 Tatort-Folgen mitgespielt. Gedreht wurde 2025 in Seevetal und Hamburg.
Für Furtwängler ist das Thema Demenz persönlich; ihr Vater war selbst erkrankt. Im Interview mit der Abendzeitung sagt sie, sie habe die Rolle bewusst angenommen: „Demenz geht uns alle an: Etwa zwei Millionen Deutsche sind davon betroffen.“ Dass viele Menschen dem Krankheitsbild mit Angst begegneten, sei ihr klar - doch der Film wolle einen anderen Blick anbieten.
Viele Leute haben panische Angst vor Demenz. Aber auch da ist noch ein Wollen und ein Sehnen im Leben.
Musikalisch geht der Tatort einen ungewöhnlichen Weg. Für den Film wurde eigens eine Oper komponiert, aufgezeichnet mit dem NDR Vokalensemble und der Capella St. Crucis Hannover. Der Titel „König in Gelb“ spielt auf Robert W. Chambers' gleichnamigen Erzählband von 1895 an, ein Werk der Schauerliteratur, auf das Autor Adolph in mehreren Motiven zurückgreift.
Der Sendeplatz am Sonntagabend ist strategisch: Nach der Sommerpause markiert „König in Gelb“ den Beginn der Tatort-Herbstsaison. Auf Furtwängler folgen in den kommenden Wochen die Teams aus Köln, Wien und München. Für die Niedersachsen-Kommissarin selbst ist es nicht die letzte Ausgabe - das NDR-Team hat bereits weitere Drehs angekündigt.