Nach der längsten Sommerpause der Serienhistorie sendet die ARD an diesem Sonntag um 20.15 Uhr den ersten neuen Tatort. In „König in Gelb“ ermittelt Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im fiktiven niedersächsischen Kleinhude. Dort ist in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz eine Bewohnerin nach einem schweren Sturz zu Tode gekommen.
In Lindholms Büro taucht der pensionierte Hauptkommissar Matthias Vogel (Andreas Lust) auf. Er ist überzeugt, dass die Tote das Opfer eines Serienmörders geworden ist, den er seit Jahren vergeblich verfolge - und der seine Toten in gelben Kleidungsstücken drapiere. Vogel verdächtigt den demenzkranken Heimbewohner Gustav König (Thomas Thieme). Zugleich merkt er, dass ihm selbst die Erinnerungen abhandenkommen.
Vogel merkt selbst, dass ihm Erinnerungen abhandenkommen, und versucht trotzdem, an seiner Arbeit festzuhalten.
Alexander Adolph, ein Chorwerk und viel Andreas Lust
Regie und Drehbuch stammen von Alexander Adolph, der auch die vielbeachteten Tatort-Folgen „Der oide Depp“ und „Der Weg ins Paradies“ verantwortet hat. Die Musik übernimmt in dieser Folge eine ungewöhnlich große Rolle: Für den Film wurde eine eigene Oper komponiert, aufgenommen mit dem NDR Vokalensemble und der Capella St. Crucis Hannover. Neben Furtwängler, Lust und Thieme spielen Constantin von Jascheroff, Marina Galic und Matthias Bundschuh.
Zentrum der Folge ist nach übereinstimmender Einschätzung der Kritik nicht Furtwänglers Kommissarin, sondern Andreas Lust in der Rolle des dementen Ex-Ermittlers. Der Rezensent von wiewardertatort.de vergibt sieben von zehn Punkten und lobt den „differenzierten Umgang mit Demenz“, der weder in Sensationalismus noch in wohlfeile Sozialkritik abrutsche. Netzwelt-Autorin Katharina Grothkopp bewertet die Folge mit acht von zehn Punkten und hebt die düstere Atmosphäre und die konsequente Erzählweise hervor.
Erstmals vorab in der Mediathek
Bemerkenswert ist auch die Auswertung: „König in Gelb“ ist der erste Tatort, der schon vor der TV-Erstausstrahlung in der ARD-Mediathek abrufbar war - seit dem 11. September. Kritisch angemerkt werden die anfangs sehr bereitwillige Übernahme von Vogels Verschwörungstheorien durch Lindholm, ein aus Sicht der Rezensenten überflüssiger Auftritt von Lindholms Mutter sowie ein Jumpscare, der eher stört als spannt.
Die Tatort-Folge markiert damit auch einen redaktionellen Test: Läuft ein Sonntagskrimi über die Mediathek besser oder linear? Für die ARD ist das die eigentliche Prüfung neben der Kritik. Erste Quotenzahlen erwartet der Sender am Montagmittag.