Der neue Hannover-Tatort „König in Gelb“ ist der meistgesehene Programmbeitrag des Sonntags. Wie wir am Vorabend der Ausstrahlung berichteten, lief die Folge mit Maria Furtwängler und Andreas Lust am 13. September um 20.15 Uhr in der ARD. Am Montagvormittag meldete das Erste 7,41 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, ein Marktanteil von 30,7 Prozent. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sahen 850.000 Menschen zu, was einem Anteil von 18,1 Prozent entspricht.
Damit dominierte der Krimi laut Zahlenzentrale von DWDL den Vorabend deutlich vor der Konkurrenz. Das ZDF-Melodram „Bloß nicht Liebe“ kam auf 3,12 Millionen Zuschauer und 12,9 Prozent Marktanteil, ProSiebens Actionfilm „Kraven the Hunter“ holte in der jungen Zielgruppe 5,4 Prozent, Vox landete mit „Grill den Henssler“ bei 7,4 Prozent. Die anschließende Talkshow „Caren Miosga“ zum Thema Sachsen-Anhalt-Wahl behielt 2,52 Millionen Zuschauer und 13,6 Prozent Marktanteil.
Diese ständige Wiederholung, die Stimmungsschwankungen, der Verlust der emotionalen Kontrolle - das war mir aus der Zeit mit meinem Vater sehr vertraut.
Rekord-Marktanteil, aber schwache absolute Reichweite
Trotz der starken Quote reiht sich „König in Gelb“ bei den Furtwängler-Tatorten in eine seltene Kategorie ein: Nur zwei ihrer Fälle in 24 Jahren erreichten linear weniger Zuschauer, wie t-online.de aufschlüsselt. „Alles kommt zurück“ (2021) kam auf 6,72 Millionen, „Das namenlose Mädchen“ (2007) auf 7,02 Millionen. Beim Marktanteil rangiert der neue Krimi hingegen ganz oben: Nur „Letzte Ernte“ (2025) mit 31,5 Prozent und „Taxi nach Leipzig“ (2016) mit 30,3 Prozent lagen leicht darüber.
Die ARD hatte die Folge erstmals zwei Tage vor der linearen Ausstrahlung in der Mediathek freigegeben. Belastbare Streaming-Zahlen liegen laut Sender noch nicht vor, dürften aber die Beurteilung des Auftakts entscheidend prägen. Denn dass eine Furtwängler-Folge trotz einer Prime-Time-Konkurrenz aus Melodram und Marvel-Blockbuster den Abend deutlich anführt, spricht für die Krimi-Marke. Dass die absoluten Zahlen unter dem historischen Furtwängler-Schnitt liegen, spricht dafür, dass ein Teil des Publikums längst vor der Erstausstrahlung streamt.
Furtwängler über eine „prägende Erfahrung“
Zeitgleich mit dem Quotenerfolg berichtete Furtwängler in Interviews über ihre persönliche Nähe zum Stoff. Ihr Vater sei 2012 an Demenz gestorben, sagte die Schauspielerin dem WEB.DE-Magazin. Die Dreharbeiten hätten viel in ihr aufgewühlt: „Die ständige Wiederholung, die Stimmungsschwankungen, der Verlust der emotionalen Kontrolle - das war mir aus der Zeit mit meinem Vater sehr vertraut.“ Sie beschreibe die Zeit als „prägende Erfahrung“, die sie bis heute begleite.
Die Kritik von Quotenmeter urteilte, Regisseur Alexander Adolph nutze das fiktive Demenzdorf nicht bloß als Kulisse: Der Film frage vielmehr, „wie eine Gesellschaft mit Menschen umgeht, deren Wahrnehmung nicht mehr vollständig der eigenen entspricht“. Gelobt wurden die Kamera, das Vokalensemble im Score und Thomas Thieme als demenzkranker Heimbewohner Gustav König. Bemängelt wurde, dass die Verdachtsführung teils zu telegrafiert wirke. Zusammen mit den frischen Reichweiten-Zahlen liefert der Auftakt der ARD damit sowohl den erhofften Sonntags-Zuschlag als auch die erste Debatte über den Zustand des linearen Krimi-Publikums.