Das Erste hat am Sonntagabend, 17. Mai 2026, um 20.15 Uhr den Hamburger Tatort „Schweigen“ wiederholt. Es ist der 20. Fall von Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und der erste Tatort der Reihe, der sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche zum Thema macht. Der erneute Sendetermin im ARD-Programm löste eine zweite Welle an Reaktionen aus, die so geteilt ausfiel wie schon beim Erstlauf.

Erzählt wird von Falke, der sich nach dem Tod seiner Kollegin in ein abgelegenes Kloster zurückzieht. Als dort ein Pfarrer bei einem Brand stirbt und in dessen Habe kinderpornografisches Material gefunden wird, beginnt für Falke und die örtliche Kommissarin Eve Pötter (Lena Lauzemis) eine Ermittlung, die auf jahrzehntelang vertuschten Missbrauch und die Mauer des Schweigens in der Kirchenhierarchie führt. In weiteren Rollen sind Florian Lukas als Betroffener Daniel Weinert und Sebastian Blomberg als Generalvikar Billing zu sehen. Regie führte Lars Kraume, das Drehbuch schrieb Stefan Dähnert, produziert wurde der Film von der Nordfilm im Auftrag des NDR, gedreht in der Abtei Mariawald in der Eifel.

Der Stoff ist nah an der Realität gebaut: Die Handlung lehnt sich an einen realen Missbrauchskomplex im Bistum Trier an. Damit greift „Schweigen“ eine Aufarbeitung auf, die die katholische Kirche in Deutschland seit der MHG-Studie von 2018 öffentlich beschäftigt. Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring verwies in der Begleitberichterstattung genau auf diese Nähe zum tatsächlichen Geschehen.

Die Geschichte ist leider sehr nah an der Wirklichkeit.
- Wotan Wilke Möhring

Rekordwerte beim Erstlauf

Die Erstausstrahlung am 1. Dezember 2024 lief zeitgleich im Ersten sowie bei ORF und SRF. In Deutschland sahen 8,51 Millionen Menschen zu, der Marktanteil lag bei 30,7 Prozent, bei den 14- bis 49-Jährigen erreichte der Film nach Senderangaben 21,3 Prozent. Das zählt zu den stärksten Quoten der Falke-Jahre. Die Wiederholung am Sonntag reihte sich in das laufende ARD-Programm ein, das in den Wochen vor der Sommerpause regelmäßig ältere Fälle erneut zeigt.

Geteilte Kritik

Das Echo der Rezensenten fiel erneut zweigeteilt aus. Auf der Seite kino.de überschrieb Marek Bang seine Besprechung mit dem Satz „Nie war Wotan Wilke Möhring besser als in diesem erschütternden Thriller“ und attestierte Regisseur Kraume, „einen glaubwürdigen und entsprechend erschütternden Krimi“ inszeniert zu haben; das Urteil lautete, dies sei „mit Sicherheit einer der wichtigsten“ Tatorte. Bei prisma.de hob Eric Leimann am 17. Mai die Leistung Möhrings als eine der stärksten der Falke-Jahre hervor und lobte Lena Lauzemis als zurückgenommene, rätselhafte Figur. Martina Kalweit schrieb bei tittelbach.tv, man wolle wie Falke in einer Schlüsselszene „schreien, diese Welt entrümpeln“.

Andere Kritiker waren strenger. Mehrere Rezensionen, darunter bei TV Movie, empfanden den Missbrauchsstoff als billigen Kniff, um dem zuletzt schwächelnden Falke-Tatort Relevanz zu verleihen. Auch der dramaturgische Rahmen, Falkes Rückzug ins Kloster, an dem dann ausgerechnet die Verbrechen aufbrechen, wurde als müder Erzähltrick bemängelt; das Ende verliere an Wucht. Genau diese Spannung zwischen einem ernsten gesellschaftlichen Thema und der Krimimechanik prägte schon die Debatte nach der Erstausstrahlung und kehrte mit der Wiederholung zurück.

Dass Das Erste den Fall eineinhalb Jahre nach der Premiere erneut auf den Hauptsendeplatz hob, zeigt vor allem, dass „Schweigen“ weiter trägt: als reichweitenstarker Krimi und als Stoff, der die Aufarbeitung kirchlichen Missbrauchs an einem Sonntagabend vor ein Millionenpublikum bringt.