Nach vier Wochen Warnstreiks und vier Verhandlungsrunden haben sich Deutsche Telekom und die Gewerkschaft Verdi in der Nacht zum 27. Mai in Frankfurt auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Der Abschluss gilt für rund 60.000 Tarifbeschäftigte des Konzerns, läuft 33 Monate bis zum 31. Dezember 2028 und bringt nach Verdi-Rechnung ein Lohnplus von insgesamt rund 8,5 Prozent.
Die Erhöhung kommt in drei Stufen. Ab dem 1. August 2026 steigt der monatliche Zusatzbetrag, den Tarifbeschäftigte über das Tabellenentgelt hinaus erhalten, um 150 Euro von 190 auf 340 Euro. Im Juli 2027 folgt eine weitere Anhebung um 140 Euro auf dann 480 Euro pro Monat. Im Juni 2028 werden die Tabellenentgelte um zusätzlich 2,4 Prozent erhöht. Auszubildende und dual Studierende bekommen die Erhöhung in einer eigenen Staffel von 4,1, 3,3 und 2,4 Prozent.
Neu in dieser Tarifrunde ist ein Bonus, den ausschließlich Verdi-Mitglieder erhalten. Wer zum Stichtag 28. Mai 2026 in der Gewerkschaft organisiert war, bekommt eine Einmalzahlung von 440 Euro; wer bis Ende 2028 Mitglied bleibt, weitere 220 Euro obendrauf. Auszubildende und dual Studierende erhalten 240 Euro. Verdi-Verhandlungsführer Frank Sauerland sprach gegenüber der eigenen Mitgliederzeitung von einem „Vierklang“ aus „mehr Geld, mehr Schutz, mehr Anerkennung, mehr Solidarität“.
Ohne die starke Beteiligung der Beschäftigten an den Warnstreiks, Kundgebungen und Aktionen wäre das so nicht möglich gewesen.
Für die Telekom kommentierte Personalvorständin Birgit Bohle den Abschluss mit Blick auf den parallel laufenden Konzernumbau. „Nach intensiven Verhandlungen haben wir einen ausgewogenen Abschluss erreicht“, erklärte Bohle in der offiziellen Konzernmitteilung. „Das Gesamtpaket setzt in einer Phase tiefgreifender Transformation ein klares Zeichen für Stabilität und Verlässlichkeit und sichert unseren Beschäftigten ein deutliches Gehaltsplus.“ Gleichzeitig halte das Unternehmen „die notwendige Balance, um weiter konsequent in unsere Netze und damit in die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens zu investieren“.
Vier Wochen Warnstreik, 32.000 Streikende
Vorausgegangen war eine der härteren Tarifauseinandersetzungen der vergangenen Jahre im Konzern. Verdi war mit der Forderung nach 6,6 Prozent mehr Lohn binnen zwölf Monaten und einer jährlichen Mitgliedsprämie von 660 Euro in die Verhandlungen gegangen. In drei Runden seit März blieben die Positionen weit auseinander, danach rief die Gewerkschaft zu bundesweiten Warnstreiks auf. Nach Verdi-Angaben beteiligten sich über die vier Wochen mehr als 32.000 Beschäftigte, allein an den ersten beiden Streiktagen mehr als 7.500.
Sauerland verband die Einigung ausdrücklich mit dem Streikdruck. Ohne die starke Beteiligung der Beschäftigten an den Warnstreiks, Kundgebungen und Aktionen wäre das Ergebnis nach seinen Worten so nicht möglich gewesen. Zum Kündigungsschutz, der nun bis Ende 2028 verlängert wurde und für die Telekom-Gesellschaften DT SE und PVG gilt, sagte er: „Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn den Beschäftigten Kündigungsschutz garantiert wird.“
Was die Einigung im Verhältnis verschiebt
Realpolitisch markiert der Abschluss zwei Verschiebungen. Erstens verlässt die Telekom mit dem dreistufigen Lohnplus den Pfad kurzer Tariflaufzeiten und bindet sich bis Ende 2028 - ein Signal an die Investoren, dass die Personalkosten bis dahin kalkulierbar bleiben, bevor die nächste Verhandlungsrunde mit dem fertig ausgebauten Glasfasernetz und dem laufenden Konzernumbau zusammenfällt. Zweitens ist der Mitgliederbonus ein Novum für Verdi im Telekom-Konzern: Wer beim Streik dabei war, ohne Mitglied zu sein, erhält die Erhöhung - aber nicht die Einmalzahlung. Das Modell verschiebt den Anreiz, sich zu organisieren, sichtbar in Richtung der Gewerkschaft.
Verbindlich wird die Einigung erst nach Zustimmung der zuständigen Verdi-Gremien. Die Tarifkommission hat das Ergebnis nach Gewerkschaftsangaben einstimmig angenommen und ihren Mitgliedern zur Annahme empfohlen. In den kommenden Wochen läuft die Mitgliederbefragung, danach soll der Vertrag in Kraft treten.