472 Tage nach seinem letzten Länderspiel stand Marc-André ter Stegen am Mittwochabend wieder im Tor der deutschen Nationalmannschaft, ausgerechnet in Amsterdam, ausgerechnet in seinem neuen Klubstadion. Beim 1:1 in der Nations League gegen die Niederlande wurde der 34-Jährige zum Spieler des Spiels gewählt - und zugleich Zeuge, wie unsicher sein Rückweg in die erste Reihe des DFB-Teams noch verläuft.
Ter Stegen kam auf neun Paraden, statistisch verhinderte er nach Angaben der Sportschau rechnerisch 1,85 Gegentore; der xGOT-Wert der Niederlande lag bei 2,85. In der zweiten Halbzeit reagierte er in kurzer Folge gegen Denzel Dumfries, den zweifachen Mexx Meerdink und Noa Lang. Der Ausgleich durch Cody Gakpo in der Nachspielzeit nach einem Ballverlust von Serge Gnabry war für ihn nicht zu halten.
So klar seine Reflexe waren, so unruhig war sein Spiel mit dem Ball. Spox vergab die Note 3,5 und schrieb, seine Leistung habe „zwischen verheerend und überragend“ geschwankt. In der 42. Minute leistete sich der Torwart einen Fehlpass direkt auf Gakpo, den Kollegen bereinigen mussten. Zweimal jubelte Oranje nach Standards - beide Male zählte der Treffer nicht, weil sein Gegenspieler ihn im Fünfmeterraum behindert hatte.
Ich habe während meiner Genesung viel durchgemacht. Dass ich gerade gesund bin, das weiß ich sehr zu schätzen.
Kloppens Vertrauen als Startsignal
Für ter Stegen war das Spiel mehr als ein Länderspiel-Comeback. Bundestrainer Jürgen Klopp hatte den Torwart schon vor der Nominierung zur Nummer eins erklärt, obwohl Oliver Baumann in der Ära Nagelsmann und beim Sommerturnier die Position gehalten hatte. „Er ist fit und bringt die Erfahrung mit. Er macht einen sehr guten Eindruck“, sagte Klopp laut Sport1 vor dem Spiel und lobte ausdrücklich die Anlagen des „fußballspielenden Torwarts“.
Ter Stegen selbst redete auf der Pressekonferenz betont in Etappen. „Ich denke zuerst daran, gesund zu bleiben“, zitiert ihn die Sportschau. „Es fühlt sich richtig gut an, wieder zu spielen.“ Nach Patellasehnenriss, Rücken- und Muskelverletzungen hat der Barcelona-Kapitän seit Sommer 2024 mehr als 100 Pflichtspiele verpasst. Seine Leihe zu Ajax im August war der Versuch, die Spielpraxis zurückzugewinnen, die ihm bei den Katalanen fehlt - dort ist der 24-jährige Wojciech Szczesny inzwischen gesetzt.
Ausgerechnet in der neuen Heimat
Dass die Rückkehr in die Johan-Cruijff-ArenA fiel, hatte für ihn eine eigene Symbolik. Ter Stegen wuchs im niederrheinischen Mönchengladbach nahe der niederländischen Grenze auf; seit August läuft er in Amsterdam auf. Beim Comeback stand ausgerechnet der niederländische Nationalstürmer Brian Brobbey, sein neuer Klubkollege bei Ajax, mehrfach vor ihm. „Es fühlt sich gut an, gesund zu sein“, sagte ter Stegen dem Portal absolutfussball.com am Abend vor dem Spiel, räumte aber ein, dass „noch nicht alles perfekt“ wirke.
Für Klopp geht es nach dem Remis in gut einer Woche weiter: Am 1. Oktober empfängt Deutschland Serbien in München, am 4. Oktober folgt das Auswärtsspiel in Griechenland. Ob ter Stegen dann wieder zwischen den Pfosten steht, ließ der Bundestrainer nach dem Spiel offen. Nach dem Auftritt in Amsterdam dürfte er allerdings kaum Argumente sehen, den zurückgekehrten Kapitän schon wieder auf die Bank zu setzen.