Am Donnerstagabend berichtete das Wall Street Journal, dass Mike Snyder seinen Posten als Vizepräsident für Energie und Ladeinfrastruktur bei Tesla räumt. Reuters und mehrere Fachdienste bestätigten die Personalie am Freitag unter Berufung auf eingeweihte Personen. Tesla selbst hat sich bis zum Wochenende nicht zu dem Abgang geäußert.
Nachfolger wird AJ Booth, bislang Senior Director Energy Products Engineering. Booth kommt aus der Hardware-Entwicklung von Megapack und Powerwall - also aus der Ingenieurs-, nicht aus der Vertriebs- oder Policy-Seite der Sparte. Die Energieeinheit umfasst neben den Megapack-Großspeichern das Powerwall-Heimsystem, das Solargeschäft und das Supercharger-Ladenetz.
Snyder stieß 2014 als Elektroingenieur zu Tesla und arbeitete sich bis an die Spitze des Megapack-Geschäfts hoch. Im Oktober 2024 beförderte Tesla ihn zum Vizepräsidenten einer neu zusammengelegten Energie- und Ladeinfrastruktur-Sparte und ersetzte damit den langjährigen Energie-Chef Drew Baglino, der den Konzern im Frühjahr 2024 nach einer konzernweiten Umstrukturierung verlassen hatte. Baglino führt heute die Cleantech-Startups Heron Power und Sadi Thermal Machines.
Sparte wächst, bekommt aber weniger Konzern-Priorität
Operativ hat die Sparte derzeit Rückenwind. Nach den Zahlen, die Tesla Anfang Oktober zum dritten Quartal vorlegte, legte das Energiegeschäft gemessen an ausgelieferter Batterie-Energie um 9,6 Prozent zu. Im ersten Halbjahr 2026 steuerte die Einheit rund elf Prozent zum Konzernumsatz bei, Fahrzeuge rund 70 Prozent. Elon Musks KI-Startup xAI hat seit 2024 Megapacks für etwa eine Milliarde Dollar für seine Rechenzentren geordert, davon 269 Millionen Dollar allein im April 2026, wie aus einer SEC-Einreichung hervorgeht.
Trotz des Wachstums hat Musk den strategischen Schwerpunkt des Konzerns verschoben. Für 2026 hob Tesla sein Investitionsbudget auf rund 25 Milliarden Dollar an, der Großteil fließt in Künstliche Intelligenz, den Optimus-Humanoiden und die Robotaxi-Flotte Cybercab. Der Abgang Snyders, in der Branche als Pragmatiker mit Industrie-Hintergrund respektiert, kommt in dieser Verschiebung an einem heiklen Punkt: Die Energie-Einheit verdient Geld, bindet aber zugleich Kapital, das Musk anderswo einsetzen will.
Für den Standort Grünheide hat die Rochade eine praktische Dimension. Tesla hatte im Mai angekündigt, rund 250 Millionen Dollar in die Produktion von 4680-Batteriezellen am Werk Brandenburg zu stecken, die Serienfertigung von bis zu 18 Gigawattstunden Jahreskapazität soll 2027 anlaufen. Diese Zellen landen entweder in Fahrzeugen oder in Megapack-Speichern - also in jener Sparte, die nun unter neuer Führung steht. Booth kennt die Hardware. Ob er auch die kommerzielle und regulatorische Dimension des Geschäfts in seiner neuen Rolle schnell adressiert, dürfte Analysten in den kommenden Quartalen beschäftigen.
An der Börse überlagerte am Freitag ohnehin ein anderes Ereignis die Personalnachricht: Nach der Roadster-Präsentation am Donnerstagabend in Texas legte die Tesla-Aktie um rund 4,6 Prozent zu. Am Vortag hatte sie noch 1,3 Prozent auf 362,44 Dollar nachgegeben, auch unter dem Eindruck des Snyder-Berichts.