Tesla macht in Grünheide ernst. Nach übereinstimmenden Berichten des RBB vom 15. Oktober will der US-Elektroautobauer bereits im Dezember die Genehmigungsunterlagen für eine zweite Produktionshalle nördlich des bestehenden Werks einreichen. Mit rund 536.000 Quadratmetern wäre sie mehr als doppelt so groß wie die aktuelle Fabrikhalle, die nach Angaben des Senders rund 219.000 Quadratmeter umfasst.

Mit dem Ausbau verfolgt Tesla ein Ziel, das bisher eher Rhetorik war: eine Million Elektroautos pro Jahr am deutschen Standort. Derzeit laufen in Grünheide bis zu 375.000 Model Y jährlich vom Band, ab Oktober hat der Konzern die Taktung auf bis zu 7.500 Fahrzeuge pro Woche hochgefahren. Ein Baustart für die neue Halle ist nach RBB-Informationen für 2027 avisiert, geplant sind zusätzlich ein eigenes Umspannwerk sowie eine neue Abwasseraufbereitung.

Die zweite Produktionshalle gehört zu einer dreistufigen Erweiterung, deren erste Teilgenehmigung bereits 2024 erteilt wurde. Eine Tesla-Sprecherin bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die neue Halle „der in 2023 angekündigten schrittweisen Teilerweiterung“ entspreche. Insgesamt will der Konzern laut ecomento rund 3.500 zusätzliche Beschäftigte einstellen, davon 2.000 in der Autoproduktion und 1.500 in der Batteriefertigung. Aktuell arbeiten rund 12.000 Menschen in Grünheide.

Tesla in Brandenburg ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte.
- Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident Brandenburg, über Teslas Ausbaupläne

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) feiert das Vorhaben als industriepolitischen Lichtblick in einer Branche, die Volkswagen und BMW gerade stutzt. „Entgegen dem allgemeinen Trend in der Automobilbranche investiert das Unternehmen in den Standort und schafft eine Vielzahl zusätzlicher Arbeitsplätze in Brandenburg“, wird Woidke in der dpa-Meldung zitiert. Seine SPD-CDU-Landesregierung werde Tesla weiter unterstützen, um „optimale Bedingungen für nachhaltiges Wachstum“ zu schaffen.

Tarif, Wasser, Gegenwind

So glatt wie der Ministerpräsident wird der Ausbau nicht laufen. Die IG Metall fordert seit Jahren einen Tarifvertrag und kritisiert, wie Industriemagazin im August berichtete, Arbeitsbelastung, Produktionsdruck und verdichtete Taktzeiten in Grünheide. Bei der Betriebsratswahl 2026 blieb die der IG Metall nahestehende Liste jedoch unter der Mehrheit, stärkste Kraft wurde die Liste „Giga United“ um Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz. Statt eines Tarifvertrags kündigte Tesla im Oktober Lohnerhöhungen von bis zu fünf Prozent an.

Zweiter wunder Punkt: das Wasser. Die Fabrik liegt in einem Wasserschutzgebiet, Anwohner und Umweltinitiativen warnen seit Jahren vor Risiken für Grundwasser und Trinkwasser. Tesla setzt dagegen auf einen zusätzlichen Kreislauf: Die neue Aufbereitung soll perspektivisch auch das Sanitärabwasser der Fabrik reinigen, damit die zusätzlichen Beschäftigten unterm Strich kein Mehrwasser verursachen. Ob das die Kritik beruhigt, wird sich zeigen, sobald die Unterlagen im Dezember beim Landesamt für Umwelt liegen.