Elon Musk hat am Donnerstagabend auf einem SpaceX-Testgelände bei Waco in Texas die zweite Generation des Tesla Roadster vorgestellt - und sie tatsächlich fliegen lassen. In einer live über Teslas X-Konto übertragenen Show fuhr der Elektrosportwagen über eine Rampe, drehte sich mitten in der Luft um die Längsachse, sprang über parkende Tesla-Modelle hinweg und landete wieder auf den Rädern. „Flying cars are real“, sagte Musk vor dem Publikum - ein Satz, der innerhalb von Minuten viral ging.

Technisch möglich macht das Kunststück ein Paket, das Tesla gemeinsam mit SpaceX-Ingenieuren entwickelt hat: zehn Kaltgas-Triebwerke, gespeist aus Hochdruck-Lufttanks im Unterboden. Der Wagen beschleunigte laut Tesla in 0,81 Sekunden auf knapp 97 Kilometer pro Stunde und schlug damit nach Herstellerangaben den Beschleunigungsrekord des Rimac Nevera. Von der angekündigten Spitzengeschwindigkeit über 400 km/h fehlt bisher jeder Nachweis.

Angeboten werden soll der Roadster in drei Varianten. Die „Performance“ bleibt zweisitzig und straßenzugelassen, die „Thrust“ packt die Kaltgasdüsen dazu, die limitierte „Rocket“ ist ein Einsitzer, der laut Tesla in 0,59 Sekunden auf 100 km/h sprintet - und mit seinen Flugkünsten nicht straßentauglich sein wird. Für eine Reservierung werden 50.000 Dollar fällig, die Thrust-Version soll 250.000 Dollar kosten, davon nur die ersten 5.000 erstattungsfähig. Einen regulären Verkaufspreis nannte Musk nicht.

Das ist, was passiert, wenn man das beste Autounternehmen der Welt mit dem besten Raketenunternehmen der Welt zusammenbringt.
- Elon Musk, bei der Roadster-Enthüllung in Texas (CBS News)

Der Produktionsstart ist für 2028 avisiert, Musk selbst räumte die Schwäche seiner eigenen Zeitpläne ein: Der ursprüngliche Roadster-Prototyp war schon 2017 enthüllt und für 2020 angekündigt worden. „Erfolg ist nicht garantiert“, sagte Musk am Donnerstag, „aber es wird wahrscheinlich funktionieren.“ Analyst Dan Ives von Wedbush wertete den Auftritt gegenüber US-Medien als Marken-Signal: Der Roadster werde zwar den Umsatz kaum bewegen, aber das Image an der Spitze des Marktes aufpolieren und Teslas Ingenieurkompetenz vor den Quartalszahlen in Erinnerung rufen.

Spektakel, Spott und ein Seitenhieb auf Deutschland

In den deutschen Reaktionen schwingt zwischen Faszination und Spott vor allem ein Unterton mit: Die etablierten Hersteller sehen bei solchen Shows alt aus. Tichys Einblick kommentierte, die Demonstration symbolisiere, wie weit die deutsche Autoindustrie die technologische Führung inzwischen verloren habe. Auto Motor und Sport hob dagegen die Alltagsrelevanz hervor - Kaltgasdüsen und Vakuumsaugsystem seien zwar PR-Zauber, zeigten aber, wie weit Tesla das Umfeld um die Elektroantriebsstränge treibt, während VW und BMW über Produktionskosten diskutieren.

Die Börse reagierte verhalten: Die Tesla-Aktie legte nach der Enthüllung rund 2,7 Prozent zu. Ob der fliegende Roadster 2028 wirklich auf die Straße kommt, bleibt offen - der angekündigte Hochdruck-Lufttank braucht nicht nur Zulassungen, sondern auch Käufer, die bereit sind, für ein straßenuntaugliches Spektakelgerät sechsstellig in Vorkasse zu gehen. Für Tesla reicht fürs Erste, dass das Netz redet. Und das tut es.