Am Sonntagabend lief „The Big Lebowski“ im Rahmen eines Jeff-Bridges-Themenabends auf Arte. Bis zum 14. Juni bleibt die Komödie der Brüder Joel und Ethan Coen aus dem Jahr 1998 in der Mediathek des deutsch-französischen Senders abrufbar. Die Ausstrahlung trieb die Aufrufzahlen des deutschsprachigen Wikipedia-Eintrags zum Film nach oben - 28 Jahre nach einem Kinostart, der zunächst als Misserfolg galt.
Als der Film im März 1998 in die US-Kinos kam, spielte er kaum seine Produktionskosten wieder ein. Die Kritik reagierte verhalten, das Publikum blieb aus. Erst auf Video, in Spätvorstellungen und bei Wiederholungsvorführungen fand „The Big Lebowski“ sein Publikum. Heute zählt der Film zu den meistzitierten Komödien des US-Kinos, und Jeff Bridges' Hauptfigur - der dauerentspannte Bowling-Spieler Jeffrey „The Dude“ Lebowski - ist zur popkulturellen Ikone geworden. Auch die deutschen TV-Magazine ordnen ihn inzwischen als Klassiker ein: kulturnews.de spricht vom Kultfilm schlechthin, prisma.de vom „Geniestreich der Coen-Brüder“.
Dass die Figur weit über eine Kifferkomödie hinaus gelesen wird, hat Bridges selbst überrascht. Ein befreundeter Zen-Lehrer, der Roshi Bernie Glassman, habe ihn auf die buddhistische Deutung des Dude angesprochen, erzählte der Schauspieler dem US-Magazin Rolling Stone. Glassman habe ihn gefragt, ob ihm klar sei, dass viele Menschen in der buddhistischen Gemeinschaft den Dude als Zen-Meister betrachteten. Seine erste Reaktion, wie er sie schilderte: „Das kann nicht dein Ernst sein“.
„The Dude abides“.
Aus einer Komödie wird eine Glaubensgemeinschaft
Aus der Verehrung wurde eine eigene Religion. 2005 gründete der US-Journalist Oliver Benjamin im thailändischen Chiang Mai die Church of the Latter-Day Dude, kurz Dudeism. Benjamin beschreibt sie als „Open-Source-Religion“, die Elemente des Taoismus mit der Gelassenheitslehre des antiken Philosophen Epikur verbindet und an der Lebenshaltung des Dude ausrichtet. Nach Angaben der Glaubensgemeinschaft haben sich weltweit über 600.000 Menschen über die Website zu „Dudeist Priests“ ordinieren lassen. Hinzu kommen die Lebowski Fests, bei denen sich Fans seit Anfang der 2000er-Jahre in den USA zu Bowling, Kostümen und White Russians treffen.
Wie lebendig der Stoff bleibt, zeigte sich zuletzt im Oktober 2025. In „Jimmy Kimmel Live“ schlüpfte Bridges noch einmal in die Rolle und rief die Welt mit Blick auf Kriege und Streit zur Gelassenheit auf - um mit jenem Satz zu schließen, der die Figur berühmt machte, wie das US-Branchenblatt Deadline berichtete: „let's just abide“.
Für den deutschsprachigen Raum ist Arte die naheliegende Adresse für das Wiedersehen. Der Sender zeigt den Film immer wieder und hält ihn in der Mediathek bereit - diesmal gebündelt mit einem Abend rund um Jeff Bridges, noch bis zum 14. Juni. Dass ein Kinoflop von 1998 fast drei Jahrzehnte später eine Glaubensgemeinschaft, jährliche Fan-Treffen und einen verlässlichen Programmplatz trägt, sagt mehr über die Beharrlichkeit des Dude als über die Einschaltquoten von damals.