Mit der achten und letzten Folge der fünften Staffel hat Amazon Prime Video am Mittwochmorgen den Schlusspunkt unter „The Boys“ gesetzt. Die finale Episode mit dem Titel „Blut und Knochen“ lief um 9 Uhr deutscher Zeit an und beendet damit eine Serie, die seit 2019 zu den profiliertesten Eigenproduktionen des Streamers gehörte. Der finale Showdown spielt im Weißen Haus, wo Billy Butcher (Karl Urban) und sein Team auf Homelander (Antony Starr) treffen.

Die Kritiken fielen am Mittwoch erkennbar gespalten aus. KinoCheck-Rezensent Carlos Corbelle Fraga lobte das Ende als „nicht perfekt, aber im Großen und Ganzen überzeugend“ und bescheinigte den Drehbuchautoren, den moralischen Konflikt zwischen Butchers Desillusionierung und der Idealismus-Linie von Hughie (Jack Quaid) im letzten Drittel mit ungewohnter Tiefe aufzulösen. Bei Eurogamer.de hieß es dagegen, das Finale sei „nicht völlig misslungen, aber nur teilweise befriedigend“. Kino.de fasste die ersten Reaktionen auf X unter der Überschrift „Super-GAU“ zusammen: Vor allem die Auflösung um Homelander und die Tatsache, dass das im April abgesetzte Spin-off „Gen V“ im Finale kaum eine Rolle spielt, sorgen für Unmut.

Nicht perfekt, aber im Großen und Ganzen überzeugend.
- Carlos Corbelle Fraga, KinoCheck

Kein verlängertes Finale

Anders als bei vergleichbaren Serienenden hat Showrunner Eric Kripke auf eine überlange Abschlussfolge verzichtet. „The Boys“ ging mit gut 65 Minuten Laufzeit zu Ende, wie Gamestar berichtet. Kripke begründete die Entscheidung gegenüber US-Medien damit, dass eine 90-minütige Episode das Publikum nach seiner Einschätzung überfordert hätte. Zugleich räumte er ein, dass er das Risiko eines schwachen Schlusses ähnlich wie bei „Game of Thrones“ oder „Stranger Things“ sehr genau im Blick gehabt habe.

Wirtschaftlich ist die Staffel für Amazon ein Erfolg gewesen. Jede der bisher veröffentlichten Folgen kam laut einer Mitteilung von Prime Video auf rund 57 Millionen Zuschauer weltweit, wie das Branchenportal Filmstarts am Mittwoch berichtete. Das ist der höchste Wert in der Geschichte der Serie. Prime Video rechnet die fünfte Staffel zudem unter die zehn meistgesehenen Eigenproduktionen seiner Plattform und spricht vom stärksten Drei-Wochen-Schub, den der Dienst je verzeichnet habe. Filmstarts merkte allerdings an, dass Amazon Aufrufe schon ab einigen Minuten Sehdauer zählt, was den Vergleich mit Netflix-Zahlen erschwert.

Das Vought-Universum bleibt

Mit dem Finale endet die Hauptserie, nicht aber das von Kripke und Co-Produzent Evan Goldberg aufgebaute Vought-Universum. Das nächste Projekt heißt „Vought Rising“ und soll Anfang 2027 starten. Die Serie ist als Prequel in den 1950er Jahren angelegt, mit Soldier Boy und Stormfront im Zentrum. Außerdem entwickelt Amazon laut Serienjunkies eine Ableger-Produktion mit dem Arbeitstitel „The Boys: Mexico“. Das im April nach zwei Staffeln abgesetzte Spin-off „Gen V“ ist damit Geschichte, einzelne Figuren sollen in den neuen Projekten weiterleben.

Für Prime Video markiert der Mittwoch eine Zäsur: Mit „The Boys“ verliert der Dienst seine erfolgreichste Genre-Marke des vergangenen halben Jahrzehnts. Ob die geplanten Ableger den Platz im Programm und in der Popkultur ausfüllen können, wird sich erst in den kommenden Quartalen entscheiden.