Der Deutsche Tierschutzbund hat am Freitag zum Weltkatzentag den „Großen Katzenschutzreport“ vorgestellt und die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Nach Angaben des Verbands leben in Deutschland mehrere Millionen unkastrierte, verwilderte Katzen - viele davon krank, unterernährt und ohne Zugang zu tierärztlicher Versorgung. Zentrale Forderung des Reports: eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen.

In deutschen Haushalten lebten 2025 rund 15,7 Millionen Hauskatzen, in 24 Prozent aller Haushalte wenigstens eine, wie der Report referenziert. Etwa jede zehnte gehaltene Katze ist demnach nicht kastriert. Für den Report ließ der Tierschutzbund im Januar 2026 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov 1.036 Katzenhalter befragen. Danach sagten 92 Prozent, sie würden ihr Tier kastrieren lassen, wenn dies das Leid der Straßenkatzen und die Belastung der Tierheime reduziert. Von 591 der insgesamt 711 befragten Mitgliedsvereine hielten 95 Prozent eine gesetzliche Kastrationspflicht für eine spürbare Entlastung ihrer Arbeit.

Präsident Thomas Schröder machte die Politik mitverantwortlich für den Zustand. „Während die Politik zögert, kämpfen unzählige Katzen ums Überleben - sie hungern, frieren und sind krank“, sagte er laut einer Mitteilung des Verbands. Gegenüber evangelisch.de sprach der Tierschutzbund von einem „politischen Versagen“ des Bundes.

Fleckenteppich aus Kommunen und Ländern

Bundesweit haben rund 3.300 Kommunen und Städte inzwischen eigene Katzenschutz- oder Kastrationsverordnungen erlassen, wie t-online unter Berufung auf den Tierschutzbund berichtet. Nur Schleswig-Holstein hat den Schritt bislang landesweit vollzogen: Eine seit dem 1. Juli 2026 geltende Landesverordnung schreibt für Freigänger Kastration, Chippflicht und Registrierung vor und stellt Landesmittel für die Kastration verwilderter Tiere bereit. In allen anderen Flächenländern hängt der Katzenschutz weiter davon ab, ob eine Kommune eine eigene Verordnung erlassen hat.

Rückendeckung erhält der Tierschutzbund von der Bundestierärztekammer. „Freilebende Katzenpopulationen sind in Deutschland seit vielen Jahren ein erhebliches Tierschutz-Problem“, erklärte Kammerpräsident Holger Vogel. Der Fleckenteppich lokaler Verordnungen reiche nicht aus, so Vogel gegenüber t-online - nötig sei eine einheitliche Bundesregelung, gekoppelt an eine allgemeine Chippflicht und Registrierung für Katzen.

Der wirksamste Hebel, um das Leid der Millionen Straßenkatzen in Deutschland langfristig einzudämmen.
- Thomas Schröder, Präsident Deutscher Tierschutzbund

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert eine bundesweite Kastrationspflicht - mit einem etwas anderen Fokus. In Regionen, in denen Wildkatze und Hauskatze aufeinandertreffen, hybridisierten im Schnitt 60 Prozent der Tiere, in einzelnen Gebieten mehr als 80 Prozent, so der Umweltverband. Damit gerate der Bestand der Europäischen Wildkatze unter Druck, deren Population etwa in Baden-Württemberg auf einige hundert Tiere geschätzt wird - bei rund 15,7 Millionen Hauskatzen bundesweit ein Missverhältnis, das die Freigängerkatze zur ökologischen Gefahr macht.

Die Bundesregierung hat sich zu einer nationalen Kastrationspflicht bislang nicht bekannt. Der Tierschutzbund verweist auf die Zustimmung in Kommunen und unter Haltern und will den Report auch den zuständigen Länderministerien und dem Bundeslandwirtschaftsministerium vorlegen. Die vollständige Fassung liegt seit dem heutigen Weltkatzentag unter jetzt-katzen-helfen.de/report vor.