Auf einem abgesperrten Strandabschnitt der dänischen Insel Anholt haben Tierärztinnen und Walforscher am Donnerstagnachmittag den Kadaver des Buckelwals Timmy geöffnet. Die Obduktion sollte nach Angaben des ZDF rund sechs Stunden dauern; sie findet unter freiem Himmel statt, weil der Transport des verwesenden Tieres in einen Hafen nicht möglich war. Container am Strand sollen die Reste anschließend aufnehmen.
Wie wir am 16. Mai berichteten, war zuvor wochenlang offen, wo sich Timmy aufhielt: Nach seiner Verbringung aus der mecklenburgischen Ostsee in die Nordsee Anfang Mai verstummte der angeklebte Satellitensender, das Land Mecklenburg-Vorpommern konnte keine verlässlichen Standortdaten liefern. Am 14. Mai wurde der tote Wal dann nahe Anholt aus dem Wasser geborgen, an den Strand gezogen und seitdem in der Sonne liegen gelassen, wie die Sendung SRF dokumentierte.
Für ein gutes Ergebnis ist zu viel Zeit vergangen. Jetzt können wir das größtenteils vergessen.
Die deutsche Veterinärin Kirsten Tönnies kritisierte gegenüber t-online die späte Obduktion scharf. Leber, Lunge, Herz und Hirn seien drei Wochen nach dem Tod so weit zersetzt, dass innere Blutungen oder Entzündungen kaum noch nachweisbar seien. Tönnies sprach von einem „Versagen“: Die Aktion hätte deutlich früher beginnen müssen. Offen bleibe damit auch, ob die Verletzungen an der Schwanzflosse vor oder nach dem Tod entstanden seien - der Schlepper „Robin Hood“ hatte den Wal in der privat organisierten Aktion an der Fluke aus der Ostsee gezogen.
Was die Forscher trotz allem suchen
Das Team um den dänischen Walforscher Peter Teglgaard Madsen vermisst den Wal, entnimmt Hautproben für eine DNA-Analyse und durchsucht den Magen-Darm-Trakt nach Plastik und Fischernetzen. Vier der zuletzt sechs in Dänemark gestrandeten Buckelwale hatten sich in Netzen verfangen, wie Madsen gegenüber der Wetterauer Zeitung erläuterte. Ein zweites Ziel: das Geschlecht des Tieres zweifelsfrei bestimmen. Bislang deuten Indizien darauf hin, dass Timmy weiblich war.
Zugleich warnen die Behörden vor der Obduktion selbst. Der Innendruck des aufgeblähten Kadavers sei „wie bei einem aufgepumpten Ballon“, zitiert Spektrum der Wissenschaft die zuständigen Veterinäre - beim Anstich könnten Gase mit hoher Geschwindigkeit austreten. Der Strandabschnitt wurde weiträumig abgesperrt. Zuschauer halten dennoch aus Entfernung Wache; örtliche Medien berichten von Geruchsbelästigung bis weit ins Inselinnere.
Was vom Wal übrig bleibt, übernimmt die dänische Firma Daka Danmark. Sie verarbeitet das Fett zu Biodiesel; aus den restlichen Bestandteilen wird Biomasse, die in einem Zementwerk verbrannt wird, wie ZDFheute meldet. Damit endet eine Geschichte, die Anfang März begann, als Timmy erstmals an der mecklenburgischen Ostseeküste auftauchte - und die Tier- und Meeresschützer monatelang in Atem hielt.