Arte hat am Montagabend Sergio Leones „Todesmelodie“ von 1971 im Hauptabendprogramm gezeigt und stellt den Film bis zum 25. Juni in der Mediathek bereit. Der knapp 138-minütige Western mit James Coburn und Rod Steiger ist der mittlere Teil von Leones „Amerika“-Trilogie - eingerahmt von „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und „Es war einmal in Amerika“ (1984). Bei der Kinopremiere blieb der Film hinter den bekannteren Vorgängern zurück; in der Rückschau wird er zunehmend als das politisch wachste Werk des Regisseurs verhandelt.
Die Handlung setzt 1913 in der mexikanischen Revolution ein. Juan Miranda (Steiger), ein analphabetischer Kleinbandit aus dem Norden, läuft dem irischen Sprengstoff-Spezialisten John Mallory (Coburn) in die Arme und plant mit ihm den Überfall auf die Bank von Mesa Verde. Doch der Tresor entpuppt sich als Gefängniszelle voller politischer Häftlinge; Miranda wird vom kleinen Kriminellen zum unfreiwilligen Revolutionshelden, während Mallory eine eigene Vergangenheit als irischer Republikaner abarbeitet. Der Filmdienst nennt das Werk eine „sorgfältig entwickelte Abenteuergeschichte, die bis ins Detail der Handlung und der Charakterzeichnung minutiös ausgeführt ist“.
Bei den Premio David di Donatello erhielt Leone 1971 die Auszeichnung für die beste Regie. Auf Rotten Tomatoes liegt der Film bei 92 Prozent Kritikerzustimmung, in der IMDb-Wertung bei 7,5 von 10 Punkten. Watson lobt das Werk als „überragenden Western, den zu wenige kennen“, t-online schreibt von einem „zu Unrecht vergessenen“ Höhepunkt im Leone-Werk. Trotzdem bleibt „Todesmelodie“ für ein breites Publikum bis heute eine Lücke im kulturellen Gedächtnis - die FSK-18-Freigabe wegen der explizit gezeigten Gewalt dürfte ihr Übriges tun.
Ein zu Unrecht vergessener Western, der zu wenige Zuschauer erreicht hat.
Morricones leises Hauptmotiv
Ennio Morricones Score gilt als eine der ungewöhnlichsten Arbeiten des langjährigen Leone-Komponisten. Die Hauptmelodie - im italienischen Original „Giù la testa“ - kommt eher als Wiegenlied daher denn als Westernhymne und kontrastiert die zunehmend brutalen Szenen so radikal wie Morricones Mundharmonika-Motiv in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Der Filmdienst hebt die Musik als „ungewöhnlich und einprägsam“ hervor; auf Streaming-Plattformen wird der Soundtrack bis heute deutlich häufiger gehört, als der Film je gesehen wurde.
Mit der aktuellen Programmierung folgt Arte dem eigenen Pfingstmuster: Auch „Fahrstuhl zum Schafott“, den der Sender vor zwei Wochen im Hauptabend zeigte, war ein Filmklassiker aus dem Schatten der bekannteren Regiearbeit. Wer „Todesmelodie“ bisher nur als Fußnote zur „Spiel mir das Lied vom Tod“-Diskussion kannte, hat bis zum Monatsende ein konkretes Zeitfenster, das nachzuholen - danach verschwindet der Film wieder hinter den großen Brüdern der Trilogie.