Die 113. Tour de France beginnt am Samstagabend in Barcelona - und gleich mit zwei Premieren. Zum ersten Mal in der Geschichte der Rundfahrt startet das Rennen auf spanischem Boden, und zum ersten Mal seit dem Auftakt in Brüssel 2019 eröffnet ein Mannschaftszeitfahren die Grande Boucle. Von 17:05 bis 18:55 Uhr Ortszeit gehen die 23 Teams über 19,6 Kilometer auf die Strecke, wie die Sportschau berichtet. Titelverteidiger Tadej Pogačar startet als Letzter mit UAE Team Emirates-XRG, davor rollen Jonas Vingegaards Visma-Lease a Bike und das deutsch registrierte Red Bull-BORA-hansgrohe um Florian Lipowitz und Remco Evenepoel von der Rampe.

Der Kurs startet an der Plataforma Marina am Mittelmeer, führt über den Carrer d'Aragó ins Zentrum, passiert bei Kilometer 10,5 die Sagrada Família und schwenkt in der Schlussphase auf den Montjuïc-Hügel. Die letzten 800 Meter zum Ziel am Estadi Olímpic Lluís Companys - dem Olympiastadion von 1992 - steigen mit sieben Prozent an, das Höhenprofil weist insgesamt rund 200 Meter Höhenmeter aus. Eurosport überträgt live ab 17:00 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen, HBO Max im Stream.

Jeder Fahrer hat seine eigene Zeit

Das Format hat der Radsport-Weltverband UCI in Absprache mit den Tour-Veranstaltern grundlegend umgebaut. Anders als beim klassischen Mannschaftszeitfahren, bei dem die Zeit des fünften Fahrers eines Teams gewertet wird, bekommt in Barcelona jeder Fahrer seine individuelle Endzeit für die Gesamtwertung. Für das Tagesergebnis der Teamwertung zählt nur die Zeit des jeweils ersten Fahrers eines Teams. Konkret heißt das: Die Kapitäne dürfen im letzten Drittel aus dem Windschatten der Helfer ausbrechen und am Montjuïc mit vollem Risiko allein ins Ziel treten, ohne dass sie ihre Domestiken warten müssen. Für den Kampf ums Gelbe Trikot ist der erste Tag damit deutlich brisanter als bei jedem klassischen Auftaktzeitfahren der jüngeren Vergangenheit.

Als stärkste Zeitfahr-Mannschaften gelten neben UAE, Visma und Red Bull-BORA-hansgrohe auch die Briten von Netcompany-INEOS mit dem Weltmeister Filippo Ganna, Joshua Tarling und Tobias Foss. Pogačar geht mit Startnummer 1 in seine Titelverteidigung, Vingegaard mit der 11, Evenepoel als offizieller Kapitän der Roten Bullen mit der 21 - Lipowitz trägt die 25.

Zwölf Deutsche, ein Ziel: Podium

Insgesamt gehen zwölf deutsche Fahrer an den Start, so viele wie zuletzt vor sieben Jahren. Prominentester ist Lipowitz, der im Vorjahr bei seiner Tour-Premiere überraschend Dritter wurde und das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers gewann. Der 25-Jährige aus Bruchsal hat seine Vorbereitung anders angelegt als 2025 - eine Woche länger im Höhentrainingslager, dafür mit dem Slowenien-Rundfahrt-Sieg als Formtest. „Ich denke, wir können super happy sein mit dem Formaufbau. Es ist einfach gut zu sehen, dass die Beine da sind und dann mal schauen, was in den drei Wochen in Frankreich passiert“, sagte Lipowitz der Sportschau vor der Abreise. Nils Politt fährt als Edelhelfer für Pogačar bei UAE, die Sprinter Pascal Ackermann (Israel-Premier Tech) und Max Kanter (XDS Astana) sowie Nico Denz (Red Bull-BORA) gehören ebenfalls zum Aufgebot.

Da ging es mir nicht ganz so gut. Ich musste erstmal mit dem Trubel zurechtkommen, das hat mich super viel Kraft gekostet.
- Florian Lipowitz über die Wochen nach seinem dritten Platz 2025, Sportschau

Dass Red Bull-BORA-hansgrohe offiziell Evenepoel als Kapitän ausweist, ist innerhalb des Teams kein Bruch. Der belgische Olympiasieger stieß im Winter aus Belgien in die deutsche Struktur, Lipowitz behält seine Sonderrolle als Bergspezialist. „Wir wollen beide das schaffen, was wir schon geschafft haben - hinter Tadej und Jonas auf dem Podium stehen“, hatten Evenepoel und Lipowitz gegenüber dem britischen Fachmagazin Cyclist erklärt. In der Schlusswoche zwischen Alpe d'Huez und dem Bergzeitfahren nach Thonon-les-Bains dürfte sich zeigen, ob dieses Ziel realistisch ist - oder ob Pogačar, wie Chris Froome bei Eurosport formulierte, die Rundfahrt bereits „quasi in der Tasche“ hat. Vorher zählt jede Sekunde in Barcelona.