Tadej Pogačar hat die zehnte Etappe der Tour de France am Dienstag mit einer Soloattacke gewonnen und seinen Vorsprung in der Gesamtwertung deutlich ausgebaut. Der Slowene setzte sich auf den 166,6 Kilometern von Aurillac nach Le Lioran mit 32 Sekunden vor Remco Evenepoel und dem Franzosen Paul Seixas durch. Nach dem Ruhetag am Montag war es Pogačars dritter Etappensieg dieser Rundfahrt. Sein Rückstandspolster auf den ersten direkten Verfolger Jonas Vingegaard beträgt damit 3:36 Minuten.
Die Königsetappe des Zentralmassivs mit sieben Bergwertungen bot das erste ernsthafte GC-Duell dieser Tour. Pogačar attackierte am Anstieg zum Puy Mary, wie Eurosport berichtete, und hatte die Gruppe der Favoriten innerhalb weniger hundert Meter überfahren. Nur der ausgerissene Ecuadorianer Richard Carapaz hielt kurz mit, wurde dann aber überholt. Im Ziel lagen hinter Pogačar Evenepoel (+0:32), Seixas (+0:34) und der deutsche Podestkandidat Florian Lipowitz (+0:34) auf den Plätzen zwei bis vier. Juan Ayuso folgte auf Rang fünf mit 38 Sekunden Rückstand, Vingegaard verlor 44 Sekunden.
„Wir hatten diese Etappe schon lange im Blick“, sagte Pogačar nach dem Rennen laut Tour-Magazin. Er habe vor zwei Jahren in Le Lioran gegen Vingegaard verloren; heute hätten sich seine Beine ähnlich angefühlt, „völlig kaputt“. Bis auf den letzten Kilometer sei ihm der Sieg nicht sicher gewesen. Der französische Neuling Paul Seixas vom Team Decathlon nutzte die Etappe, um sich unter die Top-Fahrer der Gesamtwertung zu bringen; Isaac del Toro, Pogačars Teamkollege und bisheriger Gesamtdritter, verlor Zeit und rutschte auf Rang sieben ab.
Wenn Pogačar angreift, hat niemand die Beine, um mitzuhalten.
Für Lipowitz war Rang vier trotz des Sprintduells gegen Evenepoel und Seixas ein Achtungserfolg. „Meine Beine fühlten sich ziemlich gut an nach dem Ruhetag“, zitierte ihn das Tour-Magazin. In der Gesamtwertung liegt der 24-Jährige nun auf Platz sechs mit 4:44 Minuten Rückstand. Evenepoel schob sich mit dem zweiten Platz auf Rang drei der Gesamtwertung vor, 4:06 Minuten hinter Pogačar. Für Vingegaard war der Zeitverlust am Ende der Etappe die zweite Warnung nach dem Tourmalet vergangene Woche: Der Titelverteidiger von 2023 wirkte im Finale sichtbar überfordert, als Pogačar seinen Angriff fuhr.
Was jetzt kommt
Am Mittwoch geht es zwischen Vichy und Nevers über 161,3 Kilometer weiter, ein Terrain, das den Sprintern zugutekommen dürfte. Danach steuert die Tour Richtung Pyrenäen und Alpen. Sportlich rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob Vingegaard eine Antwort auf Pogačars Bergform findet, oder ob Evenepoel und Lipowitz den Platz auf dem Podium unter sich ausmachen. Die dritte Woche mit Ankünften am Col de la Loze und Alpe d'Huez wird über die Reihenfolge entscheiden.