Nach zwei Etappen in und um Barcelona verlässt die Tour de France an diesem Montag den katalanischen Küstenstreifen und fährt in die Pyrenäen. Die dritte Etappe führt über 195,9 Kilometer von Granollers in den französischen Wintersportort Les Angles - der erste Grenzübertritt der Rundfahrt und die erste Bergankunft. Start ist um 12:10 Uhr MESZ, die Zielankunft wird gegen 17:10 Uhr erwartet.

Der Kurs, den die ASO-Organisatoren als „mittelschwere Bergetappe“ klassifiziert haben, sättigt seine 3.850 Höhenmeter in der zweiten Hälfte: Nach dem flachen Auftakt durch das katalanische Hinterland folgen der Col de Toses, ein 9,3 Kilometer langer Anstieg mit 6,5 Prozent Durchschnittssteigung und Rampen bis neun Prozent, danach der Col du Calvaire (11,4 Kilometer, 4,1 Prozent) und schließlich die 4,7 Kilometer lange Schlussrampe nach Les Angles mit den letzten 1,7 Kilometern bei 6,5 Prozent Steigung. Es ist die erste Etappe, auf der Punkte für das Bergtrikot vergeben werden - Alex Molenaar vom spanischen Continental-Team Caja Rural führt die Wertung nach zwei Etappen mit fünf Zählern.

Im Klassement liegen die Erwarteten weit vorne, aber eng beisammen. Jonas Vingegaard verteidigt das Gelbe Trikot mit sechs Sekunden Vorsprung auf Tadej Pogacar. Remco Evenepoel, seit Winter beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe unter Vertrag, liegt 15 Sekunden zurück. Der Vortagessieger Isaac del Toro folgt an vierter Stelle, 16 Sekunden hinter Vingegaard, und übernahm nach seinem Erfolg am Montjuic zusätzlich das Grüne Trikot. „You can't imagine how much we work as a team to be here“, sagte der 22-jährige Mexikaner nach dem Zieleinlauf am Sonntag.

Der Fingerzeig für Etappe drei kam ausgerechnet vom Etappensieger, der keiner sein wollte. Pogacar hatte am Sonntag am dritten Anstieg des Montjuic die Attacke geritten, die Vingegaard aus dem Rad hebelte - und ließ dann del Toro vorbei über die Ziellinie. Die sechs Bonussekunden für Rang zwei nahm der UAE-Kapitän mit. Beim Kräftemessen an den steilen Auffahrten des Montjuic wirkte Vingegaard erstmals angeschlagen, Evenepoel hielt mit, verlor aber Zeit. Ob Pogacar diese Rollenverteilung am Berg noch einmal akzeptiert, gilt in den niederländischen Fachmedien als offene Frage: Der Portalauftritt „Wielerflits“ führt ihn ausdrücklich als „großen Favoriten“ für Les Angles.

Wo die Etappe entschieden wird

Der Col de Toses, mit knapp 1.800 Metern der höchste Punkt des Tages, endet 68 Kilometer vor dem Ziel. Zu weit weg, um dort das Rennen zu machen, aber lang und stetig genug, um Ausreißer zu deckeln und Sprinter wie Mathieu van der Poel abzuhängen - falls das UAE-Team das Tempo entsprechend anzieht. Der Col du Calvaire schließt 23 Kilometer vor dem Ziel und ist weniger steil, dafür dauerhaft über 1.800 Meter. Auf der Abfahrt in die französischen Vorpyrenäen könnte die Musik spielen: Del Toro hatte am Sonntag gezeigt, wie sicher er auch technisch fährt, als er nach einem Reifenschaden die Gruppe wieder einholte.

Für Vingegaard geht es an diesem Montag um mehr als sechs Sekunden. Der Däne hatte im Frühjahr, als er sich noch von einer Sturzfolge erholte, gesagt, er starte „nur, wenn ich das Trikot verteidigen kann“. Die Aussage muss sich in den Pyrenäen bewähren. Sein Visma-Team hat mit Wout van Aert und Sepp Kuss zwei erfahrene Bergfahrer im Kader, aber gegen die UAE-Doppelspitze Pogacar / del Toro sowie den gut aufgelegten Ayuso wird der Titelverteidiger erstmals in dieser Tour rechnen müssen.

Was aus deutscher Sicht zählt

Florian Lipowitz, im Winter von Red Bull-Bora zu Bahrain-Victorious gewechselt, liegt nach zwei Etappen 53 Sekunden zurück und damit als bester Deutscher an neunter Stelle. Sein Team plant für den Zielanstieg mit ihm als Kapitän. Nils Politt, wie Lipowitz im deutschen Aufgebot, hatte am Sonntag als Wasserzureicher für del Toro gearbeitet und wird an diesem Montag früh im Rennen den ersten Kämpfer für die Fluchtgruppe stellen. ARD und Eurosport übertragen ab 15:00 Uhr live, im Livestream steht Sportschau.de zur Verfügung.