Olav Kooij hat am Mittwoch die fünfte Etappe der Tour de France gewonnen. Der 24-jährige Niederländer von Decathlon CMA CGM setzte sich in einem hektischen Zielsprint auf der Avenue de Poey in Pau gegen den Deutschen Max Kanter und den Belgier Tim Merlier durch - sein erster Tagessieg auf der Tour und der erste Etappensieg des französischen Rennstalls seit 2023. Ein Sturz rund fünf Kilometer vor dem Ziel hatte mehrere Sprintzüge zerlegt, mittendrin auch Jonas Vingegaard, der sein Rad wechseln musste, aber zeitgleich mit dem Hauptfeld über die Linie kam.

Die 149 Kilometer lange Etappe von Lannemezan nach Pau war die erste ausgewiesene Sprintbühne der Rundfahrt, nach drei Bergtagen und einer heißen Ausreißetappe am Vortag. Baptiste Veistroffer versuchte es früh aus dem Feld, wurde aber gut fünf Kilometer vor dem Ziel gestellt. Danach zog Vismas Wout van Aert erst für Merlier an, ehe Kooij aus dem zweiten Glied überzog. „Wenige Fahrer haben eine solche mentale Stärke“, zitierte ihn Eurosport France nach dem Rennen - eine Anspielung auf sein bisher schwieriges Jahr: Kooij war nach einem Virus wochenlang ausgefallen und bestritt sein erstes Rennen der Saison erst am 28. Mai.

Das war sicher ein Meisterstück. Vor allem was das Teamwork anbelangt, dank Quinn Simmons und Mathias Vacek war es ein unglaublicher Tag.
- Mads Pedersen nach seinem Sieg auf Etappe 4, Eurosport

Träen behält Gelb, Pogacar wartet

Im Klassement blieb alles beim Alten. Torstein Träen von Uno-X Mobility trägt das Gelbe Trikot nach seinem Coup vom Dienstag weiter. Der 30-jährige Norweger hatte bei der Pyrenäen-Etappe am Vortag in einer zehnköpfigen Ausreißergruppe die Führung übernommen, während Mads Pedersen in Foix bei 39 Grad den Etappensieg holte. Träens Vorsprung auf Sean Quinn beträgt 28 Sekunden, Mathias Vacek folgt bei 3:50 Minuten. Tadej Pogacar und Vingegaard, im Vorjahr die beiden Solisten des Turniers, liegen als Vierter und Fünfter mit 7:53 Minuten Rückstand deutlich zurück - eine ungewöhnliche Zwischenbilanz nach fünf Etappen.

Träen ist der erste norwegische Träger des Maillot jaune seit Alexander Kristoff im Jahr 2020. Für den Tour-Debütanten Kooij war Pau ein Statement in eigener Sache. Sein Team Decathlon CMA CGM wartete seit dem Wechsel des Trikotsponsors auf ein erstes großes Ausrufezeichen bei der Rundfahrt, Sportdirektor Vincent Lavenu hatte im Frühjahr betont, Kooij solle die Sprints tragen. Nach der Etappe sagte der Niederländer, er habe „einfach nur auf die Chance gewartet, in Frankreich das Gelernte zu zeigen“.

Am Donnerstag geht es weiter. Die sechste Etappe führt über 216,9 Kilometer von Bayonne nach Bordeaux und ist erneut ein Fall für die Sprinter, ehe am Wochenende das Zeitfahren in Laval das Klassement neu sortieren dürfte. Für Kooij ist es die zweite Chance auf einen Sieg, für Kanter und Merlier ein Anlauf zur Revanche. Und für Pogacar der letzte Termin vor der Bergankunft auf dem Mont Ventoux, an dem sich zeigen muss, ob sich der Slowene den großen Rückstand aus den Ausreißergruppen aus eigener Kraft zurückholen kann.