Etwa 500 Meter vor dem Zielstrich der neunten Etappe der Tour de France ist am Sonntagnachmittag in Ussel ein Wagen der französischen Sportzeitung L'Équipe in die Zuschauer gerast. Nach Angaben der Präfektur des Départements Corrèze erlitt der Fahrer einen Schwächeanfall, verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und durchbrach die Streckensicherung. Acht Menschen wurden verletzt, eine Person schwer, sieben weitere leicht. Der Vorfall ereignete sich, bevor die Spitze des Feldes die Ziellinie in der Corrèze erreicht hatte.

Wie die Präfektur laut t-online mitteilte, schwebte die schwer verletzte Person nicht in Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft in Tulle leitete eine Untersuchung ein, um die Umstände des Unfalls zu klären; der Fahrer wurde nicht in Gewahrsam genommen. Die Verletzten wurden von Rettungskräften versorgt, die am Zielbereich bereits für die anrückenden Fahrer im Einsatz waren.

Der Fahrer eines Wagens der Zeitung L'Équipe erlitt weniger als 500 Meter vor der Ziellinie einen Schwächeanfall und prallte gegen die Absperrungen.
- Mitteilung der Präfektur der Corrèze

Van der Poel gewinnt eine historisch verkürzte Etappe

Sportlich hatte sich der Tag ohnehin schon anders angefühlt als geplant. Die Rennleitung hatte die neunte Etappe am Morgen wegen der Hitzewelle in Südwestfrankreich um rund 30 Kilometer verkürzt - eine Premiere in 113 Auflagen der Tour, wie mehrere französische Medien berichteten. Statt der ursprünglich angesetzten Strecke zwischen Malemort-sur-Corrèze und Ussel wurde ein späterer Startort gewählt, um die Fahrer nicht in die Mittagshitze zu schicken. Angekommen sind sie trotzdem im Zeitplan: Den Sprint im Ziel gewann der Niederländer Mathieu van der Poel.

Der Unfall geschah in einem Bereich, in dem in den Minuten vor der Ankunft der Fahrer normalerweise Fotografen, Technikteams und akkreditierte Presse aufgestellt sind. Die ASO, die die Tour ausrichtet, verantwortet die Sicherheit der Zielzonen. Nach Recherchen des französischen Informationsportals Info.fr sind für die Fahrer akkreditierter Fahrzeuge derzeit keine präventiven medizinischen Kontrollen vorgeschrieben - eine Regelung, die durch den Unfall nun Fragen aufwirft. Eine offizielle Stellungnahme von L'Équipe oder ASO stand zunächst aus.

Zweiter Zwischenfall binnen weniger Stunden

Für die Tour de France ist der Unfall der zweite Zwischenfall des Tages in Folge. Bereits die Kürzung der Etappe wegen extremer Hitze hatte die Debatte über Wetterrisiken bei Straßenrennen befeuert; nun kommt ein Vorfall dazu, der die Sicherheit der Zuschauer betrifft. Die neunte Etappe wurde wertungstechnisch nicht beeinträchtigt, das offizielle Klassement bleibt bestehen. Wie es mit den bislang geltenden Sicherheitsregeln im Zielbereich weitergeht, wird die Rennleitung erklären müssen, sobald die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft weitere Details ergeben.