Donald Trump begeht seinen 80. Geburtstag am Sonntag mit einem Auftritt, der die Trennlinie zwischen Staatszeremonie und Privatfeier endgültig auflöst. Auf dem Südrasen des Weißen Hauses startet um 20 Uhr Ortszeit (2 Uhr MESZ am Montag) der Kampfabend „UFC Freedom 250“. Im Hauptkampf verteidigt der spanisch-georgische Champion Ilia Topuria (17-0) seinen UFC-Leichtgewichtstitel gegen Interimsmeister Justin Gaethje. Im Co-Hauptkampf trifft der zweifache UFC-Champion Alex Pereira im Aufstieg ins Schwergewicht auf Ciryl Gane um den Interimstitel; ein Sieg machte Pereira zum ersten Drei-Divisionen-Champion der UFC-Geschichte.
Über dem provisorischen Achteck wölbt sich eine rund 27 Meter hohe Lichtkonstruktion, die der Veranstalter „The Claw“ tauft. 4.000 geladene Gäste verfolgen die Kämpfe direkt am Cage, bis zu 85.000 Zuschauer werden auf der nahen Ellipse zum begleitenden Fan Fest erwartet. Die Sportschau beziffert die Kosten des Events auf rund 60 Millionen Dollar, finanziert von der UFC und ihrem Mutterkonzern TKO. Die Übertragung läuft in den USA bei Paramount+, Tickets im Ringbereich sollen über Sponsorenpakete bis zu 1,5 Millionen Dollar gekostet haben.
Klage scheitert vor Bundesgericht
Eine Klage der gemeinnützigen Public Integrity Project, eingereicht im Namen zweier Bürger aus Virginia, sollte das Event in letzter Minute stoppen. Sie argumentierten, der Bau auf dem zur National-Park-Verwaltung gehörenden Areal verstoße gegen Vorgaben der National Park Service, die kommerzielle Sportveranstaltungen auf Bundesparkgelände untersagen; zudem habe der Kongress dem mehrstöckigen Lichtbogen nicht zugestimmt, eine Umweltprüfung fehle. Der vom früheren Präsidenten Barack Obama ernannte Bundesrichter Amit P. Mehta wies den Eilantrag zurück. Die Kläger hätten weder eine erhebliche Wahrscheinlichkeit ihrer Klagebefugnis noch einen nicht wiedergutzumachenden Schaden glaubhaft gemacht, wie unter anderem Yahoo News und PBS NewsHour berichten. Das Weiße Haus nannte die Klage zuvor „grundlos und verzögernd“.
Im Zentrum des Konflikts steht ein Geschäftsinteresse des Präsidenten: Trump hält nach Recherchen des Tagesspiegel Aktien der TKO Group Holdings, des UFC-Mutterkonzerns. Die Klage spricht von einem der „schlimmsten Interessenkonflikte“ der Amtsführung. Die Veranstalter führen das 250-jährige Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit als offiziellen Anlass an, obwohl der Nationalfeiertag erst am 4. Juli folgt.
Widerstand auch aus der Octagon-Szene
Selbst aus den Reihen der Kämpfer kommen kritische Stimmen. Der amtierende Mittelgewichts-Champion Sean Strickland erklärte, ihm sei die Teilnahme wegen seiner Kritik an Trumps Epstein-Akten-Politik und an dessen Israel-Linie untersagt worden. UFC-Kommentator und Trump-Vertrauter Joe Rogan nannte es „seltsam“, inmitten internationaler Spannungen ein solches Spektakel auszurichten. Der trumpfreundliche Federgewichtler Bryce Mitchell schrieb auf X, eine Regierung solle die Bürger schützen und nicht unterhalten. Zudem belasten gegen Co-Headliner Alex Pereira erhobene Vorwürfe häuslicher Gewalt und sexueller Übergriffe das Programm; Pereira streitet die Anschuldigungen ab, US-Ermittlungen laufen.
Eine Regierung soll ihre Bürger schützen, nicht unterhalten.
Der Auftritt ist die Krönung einer 25-jährigen Freundschaft. Trump hatte Mitte der 1990er Jahre frühe UFC-Veranstaltungen in seine damaligen Atlantic-City-Casinos geholt, als die Sportart politisch noch als „menschlicher Hahnenkampf“ (so der spätere republikanische Senator John McCain) verfemt war. Heute zählt UFC-Chef Dana White zu den engsten Verbündeten des Präsidenten; auf dem Parteitag der Republikaner 2024 in Milwaukee stand er auf der Bühne und nannte Trump „einen Kämpfer“, die Präsidentschaftswahl „den größten Fight Ihres Lebens“.
Während Trump mit Tech-Milliardären, Podcastern und Politikern in der VIP-Loge sitzt, organisiert das Bündnis „No Kings“ landesweite Watch Parties unter dem Motto eines Gegenfestes; Prominente wie Jane Fonda, Bette Midler und Julia Roberts haben Auftritte angekündigt. Trump selbst stuft den Abend laut UFC als einmalig ein: „So etwas wird nie wieder passieren“. Am Montag empfängt ihn der G7-Gipfel im französischen Évian.