Der US-Präsident hat den NATO-Gipfel in Ankara am 8. Juli heimlich verlassen und dabei seine Boeing 747 als Köder für einen mutmaßlichen iranischen Anschlagsplan zurückgelassen. Wie die Washington Post am Montag berichtete und die New York Times sowie das Wall Street Journal bestätigten, wurde Donald Trump nach seinem sichtbaren Einstieg in die Air Force One in einem Catering-Wagen aus der Maschine geschmuggelt und zu einer kleineren Militärmaschine vom Typ C-32A gebracht. An Bord der 747 blieben Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, weitere Stabsmitglieder und der reisende Pressetross - viele von ihnen ohne Kenntnis der laufenden Operation.
Auslöser war laut übereinstimmenden Medienberichten ein Hinweis israelischer Nachrichtendienste, wonach der Iran erwog, die Air Force One beim Start in Ankara mit schulterabgefeuerten Flugabwehrraketen anzugreifen. Der Secret Service habe daraufhin eine Täuschungsoperation angeordnet, die selbst engste Mitarbeiter im Unklaren ließ. Während das Weiße Haus offiziell mitteilte, der Präsident sei an Bord der Air Force One, war Trump bereits über den Flughafen von Ankara gefahren worden und flog anschließend an Bord der C-32A nach Großbritannien. Dort wechselte er in eine neuere Boeing 747, ein Geschenk aus Katar, das aktuell zur zweiten Präsidentenmaschine umgebaut wird.
Ich bin die Nummer 1 auf der Todesliste des Iran.
Trump selbst hatte den vermuteten Anschlagsplan während des NATO-Gipfels indirekt angedeutet. Gegenüber Journalisten sagte er nach Angaben des Tagesspiegels, er sei „die Nummer 1 auf der Todesliste des Iran“, und fügte in Richtung der mitreisenden Reporter hinzu: „Aber wenn ich gehe, geht ihr auch.“ Auf die Frage, warum er dennoch der Schutzempfehlung folge, antwortete er: „Ich tue, was sie sagen.“ Damit bestätigte der Präsident implizit, dass die Sicherheitsvorkehrungen weit über das übliche Maß hinausgingen.
Rubio weicht Fragen zu Passagieren an Bord aus
Der Umgang mit den zurückgelassenen Passagieren sorgt in Washington für Debatten. Der Sender CNN konfrontierte Rubio am Montag mit der Frage, ob die Regierung Angehörige der eigenen Delegation und Journalisten wissentlich einem Anschlagsrisiko ausgesetzt habe. Der Außenminister wich der Frage aus, wie CNN Politics im Videomitschnitt dokumentierte. Nach Angaben von The Hill und Times of Israel gehörten neben Rubio und Bessent auch mehrere Sicherheitsberater sowie der komplette reisende Pressetross zu den ahnungslosen Passagieren der Köder-Maschine.
Die Operation reiht sich in eine seit Monaten angespannte Sicherheitslage rund um den Präsidenten ein. Der Iran-Konflikt hatte sich nach den US-Militärschlägen im Frühjahr weiter verschärft; der NATO-Gipfel in Ankara war Trumps erster Auftritt in einem Land, das direkt an die iranische Grenze reicht. Der Fall wirft zudem Fragen zur Modernisierung der Präsidentenflotte auf: Die beiden im Einsatz befindlichen VC-25-Maschinen sind Jahrzehnte alt, während die von Boeing bestellten Nachfolgemaschinen weiterhin verzögert sind. Die aus Katar übergebene 747 soll die Lücke bis zur Auslieferung schließen und wird derzeit vom US-Militär umgerüstet.