Donald Trump hat seinen Anspruch auf Grönland in einer neuen Form vorgetragen: Als Wette. In einem Telefoninterview mit dem konservativen US-Radiosender Real America's Voice sagte der US-Präsident am 31. Juli, die Vereinigten Staaten würden die Kontrolle über die dänische Insel vor Ende seiner Amtszeit im Januar 2029 übernehmen. „Sie wollen etwas sehr Wichtiges tun. Grönland ist aus unserer Sicht wichtig, nicht aus deren Sicht. Sie sollten diese Wette tatsächlich eingehen“, sagte Trump dem Moderator Steve Gruber. Parallel veröffentlichte er auf Truth Social ein bearbeitetes Bild, das die US-Flagge über der Insel zeigt.

Aus Nuuk und Kopenhagen kam die gewohnte Antwort. Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen erklärte, die Insel sei „nicht verkäuflich“ und werde weder verkauft noch von den USA regiert. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen wiederholte ihre bereits im Juli beim NATO-Gipfel in Ankara vorgetragene Position: „Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf.“ Sie werde das Königreich Dänemark verteidigen.

Grönland steht natürlich nicht zum Verkauf.
- Mette Frederiksen, dänische Ministerpräsidentin, beim NATO-Gipfel in Ankara

Die Ankündigung ist die vorerst letzte Etappe eines seit Monaten laufenden Konflikts. Anfang des Jahres hatte Trump zunächst zehn, ab dem 1. Juni 25 Prozent Strafzölle auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden verhängt, um Zugeständnisse in der Grönland-Frage zu erzwingen. Acht NATO- und EU-Staaten antworteten mit einer gemeinsamen Erklärung, in der sie die Zölle als Gefahr für die transatlantischen Beziehungen bezeichneten und ihre „Souveränität“ gemeinsam verteidigen wollten.

Warum die USA Grönland wollen

Trump begründet seinen Anspruch mit der strategischen Lage der Insel. Auf Grönland liegt die Pituffik Space Base, früher Thule Air Base, ein zentraler Standort des US-Frühwarnsystems gegen Interkontinentalraketen. Hinzu kommen umfangreiche Vorkommen an seltenen Erden, deren Erschließung die Abhängigkeit der USA von China verringern würde. Als Bedrohungskulisse führt Trump wachsende russische und chinesische Aktivitäten in der Arktis an. Bereits im Januar hatte die Bundeswehr 15 Soldaten an der NATO-Übung „Arctic Endurance“ beteiligt, die die Verteidigungsbereitschaft in der Region demonstrieren sollte.

Dass Trump auch acht Monate nach den ersten Zolldrohungen an seinem Kurs festhält, überrascht selbst innerhalb seiner Partei niemanden mehr. Republikanische Abgeordnete wie Don Bacon und Thom Tillis haben eine erzwungene Übernahme wiederholt öffentlich ausgeschlossen. Bereits bestehende Verteidigungsabkommen gewähren dem US-Militär weitreichenden Zugang zu grönländischem Gebiet, ohne dass eine Souveränitätsänderung nötig wäre.

Wie realistisch ist eine Übernahme

Politisch wie völkerrechtlich bleibt eine Annexion ausgeschlossen. Auf US-Prognosemärkten liegen die Wetten auf eine Übernahme vor 2027 nahe null, für den Zeitraum bis Januar 2029 sind sie höher, aber weiterhin gering. Der grönländische Bürger Orla Joelsen zitierte auf X den demokratischen Senator Mark Kelly mit dem Hinweis, Kinder auf der Insel fürchteten sich inzwischen vor Amerikanern. In Berlin hatte Vizekanzler Lars Klingbeil im Januar zur ersten Zollwelle gesagt, Deutschland dürfe sich „nicht erpressen lassen“ - ein Satz, der acht Monate später noch immer die europäische Grundlinie beschreibt.