US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur gedroht. In einem am Dienstagabend Ortszeit ausgestrahlten Fox-News-Interview kündigte Trump an, ab kommender Woche gezielt Kraftwerke und Brücken anzugreifen, sollte Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Es sei die zweite derartige Drohung binnen drei Monaten - im April hatte Trump laut Handelsblatt bereits mit der Zerstörung sämtlicher Kraftwerke und Brücken „binnen weniger Stunden“ gedroht, war seiner Ansage aber nicht gefolgt.
Das US-Zentralkommando Centcom hatte am Mittwoch eine neue Angriffswelle gegen iranische Ziele gestartet. Nach Angaben des Handelsblatt-Liveblogs begann sie um 10:24 Uhr Ortszeit und endete rund 90 Minuten später - anders als in den Vortagen erstmals bei Tageslicht. Es war die vierte Nacht in Folge mit US-Schlägen. Über 20 Kriegsschiffe und mehrere hundert Militärflugzeuge sind laut taz aktuell im Nahen Osten stationiert. Die am 14. Juli wieder in Kraft gesetzte Seeblockade iranischer Häfen läuft seit 22 Uhr MESZ.
In der Nacht zum Donnerstag griffen die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben US-Basen in Bahrain und Kuwait mit Drohnen an. In beiden Golfstaaten heulten die Sirenen, die Flugabwehr wurde aktiviert. Über Schäden lagen zunächst keine Berichte vor. Es ist bereits der zweite Angriff dieser Art binnen einer Woche; die Revolutionsgarden hatten am 8. Juli laut Tagesspiegel eine Patriot-Batterie in Kuwait und Treibstofftanks in Bahrain getroffen.
Nächste Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln.
Iran meldete für die jüngsten US-Angriffe schwere Verluste. Das Gesundheitsministerium in Teheran spricht laut Handelsblatt von mindestens 35 Toten und mehr als 260 Verletzten in den vergangenen Tagen. Auf dem Militärstützpunkt Bampur in der Provinz Sistan und Belutschistan seien sieben Soldaten getötet worden. Getroffen wurden nach taz-Angaben auch das Umfeld der Atomanlage Bushehr, ein Getreidesilo und eine Mineralwasserfabrik. Die Revolutionsgarden erklärten, der Feind habe die Getreideanlage „aus Schwäche und Grausamkeit“ bombardiert.
Wiederholung der April-Drohung
Bereits im April hatte Trump dem Iran mit der Zerstörung von Brücken und Kraftwerken gedroht, um Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus zu bewegen. Damals folgten den Worten keine Taten. Diesmal deutet die eskalierende Angriffsfrequenz auf einen anderen Kurs. Die Kämpfe würden weitergehen, „bis ich sage, dass es genug ist“, sagte Trump laut Handelsblatt. Der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammed Bagher Ghalibaf, hatte bereits nach der Waffenruhe-Aufkündigung Anfang Juli erklärt, die „Zeit der Einschüchterung und Erpressung“ sei vorbei.
In Berlin läuft weiter die Debatte um die deutschen Marineeinheiten in der Region. Der Minenjäger Fulda und der Versorger Mosel warten seit Wochen auf einen möglichen Einsatz zur Sicherung der Handelsschifffahrt. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte einen Rückzug im Juli offengehalten. Mit den neuen Trump-Ansagen und der Wiederaufnahme der Seeblockade dürfte sich die Frage nach der deutschen Rolle in den kommenden Tagen neu stellen.